Dazu Jana Schellenberg vom Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ in Rietschen: „Am Mittwoch wurde ein totes Schaf im Landkreis Bautzen gemeldet. Das getötete Merino-Schaf stand zusammen mit zwei anderen Schafen auf einer Wiese bei Milkel, die von drei Seiten mit Euronetzen umgeben war. Die vierte Seite an einem Graben war offen.“
Wie sie weiter berichtete, sei das Tier aus der Koppel getrieben und etwa 200 Meter über einen angrenzenden Acker gejagt worden. Dort sei es tot gefunden worden. Durch die Lage des Schafes liege es nahe, dass es kollabiert sei.
Da der Halsbereich des Schafes komplett abgefressen war, hätten sich laut Jana Schellenberg keine Bissverletzungen an der Kehle beurteilen lassen. „Das Merinoschaf wies keine weiteren äußerlichen Verletzungen auf. Die lange Verfolgung und die Tatsache, dass recht wenig gefressen war, deuten auf Hunde als Täter. Die vor Ort gefundenen Trittsiegel von eindeutig zwei Tieren lassen von Form und Größe her aber auch Wölfe in Frage kommen. Allerdings unterschieden sie sich deutlich von den Trittsiegeln des Wolfes, der am 27. Februar ein Schaf bei Uhyst getötet hat“ , erklärte die Kontaktbüro-Verantwortliche und bekräftigt als Fazit noch einmal: „Wölfe können als Verursacher nicht ausgeschlossen werden.“
Das tote Lamm jedoch, das am Mittwoch in Bärwalde gefunden wurde, würde dagegen nachweislich nicht auf das Konto eines Wolfes gehen. Es wurde von einem Fuchs gerissen, so Jana Schellenberg.
Sie gibt Schaf- und Ziegenhaltern im Wolfsgebiet und in einem Umkreis von 50 Kilometern den wichtigen Hinweis, eigenverantwortlich für einen Grundschutz ihrer Tiere vor Hunden oder Wölfen zu sorgen. Das vollständige Einkoppeln mit einem handelsüblichen Euronetzzaun mit 90 Zentimeter Höhe und 2000 bis 3000 Volt sei ausreichend. Auch ein massiver Holz/Maschendraht-Zaun, der bis zum Boden abschließt, oder das Einstallen der Tiere über Nacht würden einen sicheren Schutz gewährleisten.
„Werden Gräben oder wie bei Uhyst Flussläufe nicht mit gekoppelt, ist das für jeden Wolf oder wildernden Hund eine willkommene Einladung. Wölfe jagen die Tiere, die sie am leichtesten erbeuten können. Ein ungeschütztes Schaf ist eine besonders einfache Beute“ , erläuterte Jana Schellenberg. Für nähere Informationen zu Schutzmaßnahmen sollten sich die Tierhalter an das Wildbiologische Büro Lupus wenden (Tel. 035727/577 62).
Laut Aussage der Expertin kommen in der Lausitz zwei Wolfsrudel mit etwa je sieben Tieren vor, die in der Muskauer und Neustädter Heide ihre Reviere haben. Seit Anfang Februar gäbe es auch Hinweise darauf, dass sich zwei Wölfe südlich dieser Rudelterritorien in den Wäldern der Gemeinden Hohendubrau, Quitzdorf am See, Mücka und Waldhufen aufhalten. Die Größe des derzeitigen Wolfsgebietes beträgt etwa 700 Quadratkilometer.