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| 02:40 Uhr

Dieses Gefühl von Freiheit

Venira Welijan und Niko König im Pas de deux.
Venira Welijan und Niko König im Pas de deux. FOTO: Marlies Kross
Cottbus. Wenn am Samstag im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus das Ballett "Picasso!" über die Bühne geht, werden auch zwei Tänzer dabei sein, die neue Herausforderungen suchen. Während Venira Welijan im Oktober nach anderthalbjähriger Familienpause nach der Geburt ihrer Tochter Nergiz wieder zurückgekehrt ist in ihre Ballett-Truppe, verabschiedet sich Niko Ilias König zum Ende der Spielzeit und wagt einen Neuanfang in Griechenland. Ida Kretzschmar

"Wir haben viele schöne Momente gemeinsam erlebt, und ich schätze beide Künstler sehr", sagt Ballettchef Dirk Neumann über die Rückkehr von Welijan und räumt ein: "Natürlich lasse ich den Tänzer nicht so gern ziehen. Wenn ich nur an das schwierige und schnelle Schrittmaterial von Nils Christe denke: Hut ab! Das war nicht leicht zu meistern. Aber Kommen und Gehen, das gehört dazu, jeder muss sich immer wieder neu erfinden, auch unser Ballett."

In "Picasso!" aber werden die beiden noch einmal gemeinsam tanzen: dieses unbändige Gefühl von Freiheit, das sich in der Kunst des begnadeten Malers Bahn bricht - und seine unentwegte Suche nach dem Neuen. Zwei Harlekine, die sich im Pas de deux begegnen, wie andere Tänzer auch an diesem Abend. Die Farben und Formen erinnern an den Kubismus, die blaue und rosa Periode des Meisters, visuelle Bilder, die Malerei und Tanz gemeinsam haben, wie Niko König feststellt.

"Ich fühle mich so frei wie noch nie, genieße die fließenden Bewegungen", sagt der 30-Jährige über die Probenarbeit mit dem Choreografen Lode Devos, die viel Freiraum gibt, um Kreativität und Dynamik spürbar werden zu lassen. Auch die Musikauswahl gefällt dem Tänzer. Im ersten Teil komme die Musik wohl direkt aus dem Land der Träume: "Sie ist sehr lyrisch, gibt der Bewegung Volumen", schwärmt er. Im zweiten Teil zeigt sie die Bedrohung. Die erste Sinfonie von Penderecki ist der Soundtrack zu Picassos Bild "Guernica". Die überschwänglichen Farben sind verschwunden. Der Krieg gefährdet Freiheit und alles Menschliche.

Diese wechselnde Gefühlswelt zu tanzen ist auch für Venira Welijan eine reizvolle Herausforderung. Seit zehn Jahren ist sie am Staatstheater Cottbus fest engagiert. "Meine wohl schönste Rolle war die Julia, aber auch die ,Balkan-Rhapsodie' habe ich sehr geliebt, erinnerte mich die Musik doch irgendwie an zu Hause", sagt die aus China stammende Tänzerin, die dort auch ihre professionelle Ausbildung begann, die sie an der Palucca-Hochschule in Dresden vervollkommnete.

Nach Cottbus gekommen zu sein, hat sie nie bereut: "Das Theater ist meine Familie. Und immer wieder gab es neue Herausforderungen."

Kaum in Cottbus engagiert, fiel sie dem Schauspieler Kai Börner auf. Er hat sie gesehen - und war nicht nur von ihrem Tanz verzaubert. 2009 wurde geheiratet.

Söhnchen Nael ist bereits sechs Jahre alt. "Während er sich mehr für Fußball und Klettern interessiert, zeigt seine kleine Schwester schon musikalisches Talent", lacht die 34-Jährige, die jetzt ihre zehnte Spielzeit am Staatstheater bestreitet.

Nach der Familienpause hat sie hart trainiert, um wieder fit für die Bühne zu sein, was für die kleinen und großen Zuschauer beim Weihnachtsballett "Peter Pan" bereits augenscheinlich wurde.

Niko König hat darin den verwegenen Captain Hook verkörpert. Genau die richtige Rolle für einen, der von der Sehnsucht getrieben wird, aufzubrechen und seine Träume zu verwirklichen. Mit 17 stand er schon in der Wiener Staatsoper auf der Bühne, probierte sich am Landestheater Coburg auch am Choreografieren. Nach der dritten Spielzeit in Cottbus zieht es ihn weiter: "Ich bin zwar in Wien als Sohn eines Österreichers geboren, aber meine Mutter ist Griechin. Und ich habe schon lange davon geträumt, nach Griechenland zu gehen, um etwas Eigenes aufzubauen, zu tanzen und zu choreografieren", bekennt der 30-Jährige, der aus einer Musikerfamilie stammt. Seine Freundin Emily Downs, die, welch Zufall, als Schwangerschaftsvertretung für Venira Welijan im Cottbuser Ballett getanzt hat, wartet auf ihn schon in Athen.

Karten für die Premiere und die Vorstellungen am 17. Februar, 4. und 15. März, jeweils 19.30 Uhr, im Besucherservice, Ticket-Telefon 0355/78242424 sowie

www.staatstheater-cottbus