„Meine Schafe
würde ich alle sofort
erkennen.“
 Schäfer Steffen Kunzemann aus Zeckerin


Schäfer Steffen Kunzemann haben Unbekannte 50 Tiere gestohlen. Von Schafen und Dieben fehlt jede Spur.Schäfer Steffen Kunzemann (34) aus dem kleinen Dorf Zeckerin bei Sonnewalde im Elbe-Elster-Kreis will seinen Augen nicht trauen. Seine 400-köpfige Schafherde auf der Weide bei Frankena hat sich in der Nacht sichtbar verkleinert. Beim genaueren Hinsehen fällt ihm ein Loch im Weidezaun auf. Er zählt die Häupter seiner lieben Vierbeiner und stellt fest: 50 Tiere fehlen. Die meisten von ihnen waren tragend. Zu Ostern sollten sie Nachwuchs für die Herde bescheren. Haben sich einige seiner Vierbeiner aus dem Staub gemacht? Für Schäfer Kunzemann ist das eher unwahrscheinlich. „Den ganzen Tag unterwegs, sind die Tiere am Abend froh, wenn sie in Ruhe gelassen werden. Ich habe dann Spuren von Schrot entdeckt. Da war mir klar, dass die Tiere angefüttert und gestohlen wurden“ , erinnert er sich.
Die Schafdiebe sind professionell vorgegangen. Tage vorher müssen sie schon einmal da gewesen sein. „Ich hatte bemerkt, dass die elektrischen Impulse des Weidezeuggerätes nicht so schnell eingestellt waren wie sonst, mir aber wenig dabei gedacht“ , blickt der Schäfer zurück. Offensichtlich sind seine Tiere mit einem Kleinlastwagen abtransportiert worden. Blutspuren weisen darauf hin, dass die Täter mit den Tieren ziemlich rabiat umgegangen sind. Steffen Kunzemann hofft, dass er sie schnell und möglichst gesund zurückerhält. Schließlich kann er den Schaden von etwa 5000 Euro nicht so ohne Weiteres aus der „Portokasse“ bezahlen. Vor allem fehlt ihm die Nachzucht für den Fortbestand der Herde, mit der er seit 1991 seinen Lebensunterhalt verdient. „Ich würde meine Schafe sofort wiedererkennen. Schneeweiß waren sie, standen gut im Futter. Die Größe der Tiere, die Länge der Wolle, all das kennt man doch, wenn man täglich mit den Tieren draußen ist“ , sagt der junge Schäfer.
Übertriebene Hoffnung darf er sich aber nicht machen, dass die Polizei demnächst seine Herde komplettiert. „Wir haben bisher keine heiße Spur“ , muss Silke Woyte vom Polizeischutzbereich Elbe-Elster eingestehen. Und das nicht nur im Fall von Steffen Kunzemann. Schafe leben nämlich vor allem in der ländlich geprägten Elbe-Elster-Region gefährlich und ihre Besitzer in der Angst, dass ihnen ihre Vierbeiner auf mysteriöse Art spurlos abhanden kommen. Im vergangenen Jahr wurden sage und schreibe 274 lebende Wolllieferanten, teilweise samt Weidegerät, gestohlen, einmal bei Bad Liebenwerda 118 Tiere auf einen Schlag. Den materiellen Verlust geben die Schäfer mit 20 000 Euro an. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres sind schon wieder 97 Tiere verschwunden.
Mag das eine oder andere Schaf Opfer rituellen Schlachtens geworden sein, die hohe Zahl der Schafdiebstähle ist nach Ansicht von Polizeisprecherin Silke Woyte damit nicht zu erklären. Plausible Hinweise, was mit den Tieren passiert, hat die Kripo gegenwärtig nicht.
Viehdiebstähle sind nicht gerade an der Tagesordnung, aber so selten nun auch wieder nicht, wie eine Umfrage in Polizeischutzbereichen ergab. Im Elbe-Elster-Kreis verschwanden im vergangenen Jahr vier Schweine auf einen Schlag. In Weinsdorf suchte eines morgens im August vergangenen Jahres ein Imker drei Bienenvölker. Die Königinnen und ihr Volk waren immerhin über 1200 Euro wert. In Bernsdorf, gleichfalls im Elbe-Elster-Kreis gelegen, verschwand ein Reitpferd auf Nimmerwiedersehen von einer Koppel. In diesem Jahr haben Unbekannte im Kreis Elbe-Elster in drei Fällen bereits 14 Kaninchen aus fremden Ställen geholt. Im gesamten Vorjahr waren es „nur“ 18.
Zehn hoch tragende Kamerunschafe und drei handzahme Lämmer holten sich im vergangenen Jahr Diebe in Kleinkoschen bei Senftenberg. Auch hier kannten sich die Täter , wie im Fall von Schäfer Steffen Kunzemann aus Zeckerin, offensichtlich gut aus. Sie konzentrierten sich auf jene Muttertiere, die aus der Stammzucht in die Ablamm-Koppel gebracht worden waren.
An einen besonders kuriosen Fall im Oberspreewald-Lausitz-Kreis erinnert sich Polizeisprecher Peter Boenki. Im November vergangenen Jahres hatten sich zwei Jungbullen mit einer unternehmungslustigen Kuh auf die Walz gemacht. Liebestoll hatten die Jungbullen allen Versuchen, sie einzufangen, widerstanden. Als die zur Hilfe gerufene Polizei sie mit Schusswaffen zur Strecke bringen wollten, verschwanden die Bullen im dichten Wald. Fortan fehlt jede Spur. „Die sind bestimmt in Kochtöpfen und Kühltruhen verschwunden“ , ist sich Boenki sicher.
Was sich bewegt, ist es auch wert, mitgenommen zu werden. Nach diesem Motto handeln Diebe offensichtlich in Cottbus und im Spree-Neiße-Kreis. Kati Prajs vom zuständigen Polizeischutzbereich kann aus einer exotisch anmutenden Diebesliste vorlesen: Frettchen und Meerschweine stehen darauf. Aus einem Zierfischteich eines Cottbusers angel-ten „Liebhaber“ acht wertvolle japanische Kois im Wert von 300 Euro. In Kolkwitz wurden auf einen Schlag 21 Katzen vermisst. In Forst flogen Zuchttauben gegen den Willen ihres Besitzers aus. Kurze Zeit später fand man sie tot in der Nähe des Schlages.
Gleich 39 Kilogramm Forellen „fischten“ sich Unbekannte heimlich aus der Teichanlage Glinzig bei Cottbus. Geplünderte Reusen, zerschnittene Netze, Schwarzangeln gehört zum lukrativen Geschäft von Fischwilderern im wasserreichen Brandenburg, aber auch in Sachsen-Anhalt. Die brandenburgischen Fischer und Angler schätzen den Schaden jährlich auf 750 000 Euro. In Sachsen dagegen klagen die Fischer weniger darüber.
„Bis zu 20 Fischdiebe zeigen wir im Jahr an. Meistens werden Verfahren gegen sie jedoch wegen Geringfügigkeit eingestellt“ , verweist Wilfried Donath, Chef der Peitzer Edelfischer, auf eine für ihn unbefriedigende Lage, zumal man in den ausgedehnten, 1000 Hektar großen Teichanlagen ohnehin nur die wenigsten Fischwilderer ertappen könne. „Wenn den Erwischten dann nicht einmal etwas passiert, möchte man da fast zur Selbsthilfe greifen“ , so Donath.