Da kam dann auch ein wenig Stimmung auf in der überfüllten Bar Dupont, in der ich mich zwischen die Zuschauer drängte. Zu anfangs war es Mucksmäuschen still geworden, als sich tatsächlich so etwas wie ein verbaler Schlagabtausch abzuzeichnen schien. Aber 90 Minuten ohne Werbepausen im Fernsehen sind für Amerikaner sowieso sehr gewöhnungsbedürftig und dann trugen Romney und Obama mit ihren Stellungnahmen doch wieder zumeist dazu bei, dass der Lärmpegel allmählich stieg. Denn alles in allem konzentrierten sich die beiden Kontrahenten doch darauf, ihre hinlänglich bekannten Positionen zu wiederholen.

Und je länger sie redeten, um so mehr redeten sie nicht nur einfach aneinander vorbei, sondern ignorierten auch die Fragen, die ihnen von den Zuschauern gestellt worden waren. Da ging dann zuweilen ein Stöhnen durch die Reihen in der Bar Dupont - etwa als Obama Klartext bei der Frage nach dem Waffenrecht strikt vermied oder als Romney gewunden darum herum redete, was denn mit den vielen illegal im Land lebenden Jugendlichen geschehen solle, die nie ein anderes Land kennengelernt haben. "Die können einfach nicht ordentlich miteinander streiten", sagte mein Nachbar sehr treffend. Es machte sich gelassene Müdigkeit breit und kaum einer der anwesenden Wähler schien besonders beeindruckt.

Die erste Debatte hatte ich zum Ende in einem Taxi gehört. Der Fahrer war schon zwanzig Jahre in Amerika, als Flüchtling, aus Eritrea gekommen. Er wird nicht wählen dürfen, aber er verfolgte den ersten Schlagabtausch mit solcher Leidenschaft, dass ich bei ihm ein Weilchen sitzen blieb und mir anhörte, wie er zunehmend litt unter der Vorstellung seines Favoriten Obama. "Warum redet der nicht Klartext", sagte er und dass der Präsident "diesem Millionär" einfach das Feld überlasse. Wahrscheinlich war der Mann aus Afrika diesmal ein wenig zufriedener mit dem Präsidenten mit afrikanischen Wurzeln. Jetzt wartet er und all die anderen politisch noch halbwegs Interessierten auf die letzte, die dritte Runde am kommenden Montag. Im amerikanischen Wahlkampf ist es wie beim Amateurboxen, da gibt es eben nur drei Runden. Und unterm Strich war die Vorstellung von Obama wie vom Romney bislang auch die von zwei Amateuren.