Die ehemalige Heeresversuchsstelle "Kummersdorf" liegt im Dornröschenschlaf. Versteckt in den brandenburgischen Wäldern hatte dort die kaiserliche Armee Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Artillerie-Technik entwickelt und ausprobiert. Später wurden auf dem abgeschirmten Gelände die ersten Raketentriebwerke entwickelt und getestet. Da lag strengste Geheimhaltung in der Natur der Sache.

Nach dem Zweiten Weltkrieg quartierte sich dort die Rote Armee ein. Die einstige Heeresversuchsstelle wurde Teil eines riesigen, abgesperrten Truppenübungsplatz-Areals zwischen Jüterbog und Zossen. Bekanntester Abschnitt war dabei noch der russische Militärflugplatz Sperenberg, der die sowjetischen Truppen in Ostdeutschland mit ihrer Heimat verband.

Die Bewohner der Region wussten wenig von dem, was vorging auf dem streng gesicherten Gelände. Erst 1994, als die russischen Truppen abgezogen waren, öffneten sich die Tore auch zur einstigen Heeresversuchsstelle in Kummerdorf wieder. Weil aber keiner so ganz genau wusste, welche gefährlichen Hinterlassenschaften in den zum Großteil heruntergekommenen Bauwerken und unter den riesigen Flächen schlummerten, blieb das Gelände auch danach weitestgehend unter Verschluss. Gerüchte gab es eine Menge. Neben den belegten Raketentests ist da auch die Rede von ersten militärischen Forschungen zu Atomwaffen.

Nachdem das Land Brandenburg vor einigen Jahren die Flächen im Teltow-Fläming-Kreis vom Bund übernommen hatte, wurden die strengen Regeln zum Betreten des einstigen Militärgeländes noch einmal verschärft.

Ein rühriger Förderverein, der sich seit Mitte der 1990er-Jahre um die Aufarbeitung der Geschichte rund um Kummerdorf kümmert, hat es dadurch schwer.

Jetzt, 20 Jahre nach dem russischen Truppenabzug, wurde zum ersten Mal ein Konzept vorgestellt, wie das riesige Areal entwickelt werden kann. Erarbeitet haben das 153 Seiten umfassende Dokument die Landschaftsplaner des Büros "HochC" aus Berlin gemeinsam mit mehreren Partnern.

Kernstück des Konzeptes bleibt die Idee eines "Museums in der Natur", das der Öffentlichkeit schrittweise zugänglich gemacht werden soll. Dass der Plan aber schnell Wirklichkeit wird, ist eher nicht zu erwarten. Es fehlt am Geld.

Die Planer schätzen, dass mindestens drei Millionen Euro notwendig sind, das riesige Gelände zumindest in kleinen Teilen für Besucher begehbar zu machen und wenigstens einzelne Gebäude notdürftig zu sichern.

Die Planer können sich vorstellen, dass dann jährlich um die 15 000 Besucher in dem schrittweise entstehenden Museum militärgeschichtliche Einblicke erhalten könnten. Diese Zahl ist durchaus realistisch. Seit Jahren ist das Interesse aus ganz Deutschland gewaltig. Immer wieder gibt es beim kleinen Museumsverein, der derzeit sein Museum außerhalb des Geländes in einem ehemaligen Konsum betreibt, Anfragen. Doch seitdem das Land Brandenburg die Liegenschaft übernommen hat, dürfen die Hobby-Historiker niemanden mehr auf das Areal der ehemaligen Heeresversuchsstelle führen. Obwohl sie das davor jahrelang getan hatten, scheut Brandenburg die unberechenbaren Risiken auf dem einstigen Militärareal.

Geht es nach der Brandenburgischen Liegenschaftsverwaltung, in deren Bestand das Gelände der einstigen Heeresversuchsstelle liegt, soll das Geld für das Museums-Konzept auf der Fläche selbst erwirtschaftet werden. Die Planer können sich dazu die Verpachtung von Flächen an Energieunternehmen vorstellen. Riesige Solarfelder und viele Windkraftanlagen sollen dann etwa zwei Jahrzehnte lang die Finanzen in die Kasse spülen.

Doch nicht nur Denkmalschützer sehen den Aufbau eines Solarkraftwerkes auf den denkmalgeschützten Flächen kritisch. Der Regionalplan des Teltow-Fläming-Kreises verbietet dort auch den Aufbau von Windkraftanlagen.

Und so gibt es jetzt zwar einen umfangreichen Plan, aber seine Umsetzung ist mehr als fraglich.

Eine Projektgruppe, in der seit dem Jahr 2010 neben Historikern auch der Teltow-Fläming-Kreis mitarbeitet, fordert vom Land deshalb jetzt die Bildung einer "interministeriellen Arbeitsgruppe". Das Land müsse als Eigentümer der Fläche seinen Verpflichtungen nachkommen, hieß es bei einer Projektgruppen-Sitzung in der vergangenen Woche.

Trotz des vorgelegten Entwicklungskonzepts ist die Zukunft der Heeresversuchsstelle damit nach wie vor ungewiss. Derweil zerbröseln die historischen Bauten unaufhaltsam weiter.