Gelbe Tonne/Sack oder Restmülltonne? Mülltrennung in Deutschland ist längst zu einer Wissenschaft geworden. Im Zweifel handelt selbst der umweltbewusste Bürger instinktiv und wirft den Plastik-Kleiderbügel in die gelbe Tonne. Dabei müsste er bei ein- und demselben Bügel unterscheiden: War der Bügel etwa Beigabe beim Hemdenkauf in der Modeboutique, gilt er als Verpackung - und müsste über die gelbe Tonne oder den gelben Sack entsorgt werden.

Wird jener Bügel aber separat gekauft, gehört er beim Wegwerfen in die Restmülltonne. Für den Vize-Vorstandsvorsteher für Technik, Peter Thiem, vom Abfallentsorgungsverband Schwarze Elster in Lauchhammer ist es deshalb nicht verwunderlich, dass die Quote an gelben Fehlwürfen seit Jahren bei gut 40 Prozent liegt.

Eckpunkte für Wertstoffgesetz

Dieser Verwirrung beim Verbraucher über die ordnungsgemäße Mülltrennung soll ein neues Wertstoffgesetz ein Ende machen. Die Koalitionsfraktionen von Union und SPD in Berlin haben sich Mitte Juni darauf verständigt, nach jahrelangen Debatten Schluss zu machen mit derartigen Skurrilitäten. Es gibt jetzt Eckpunkte für das sogenannte Wertstoffgesetz.

Für den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Florian Pronold (SPD), "ist damit jetzt der Weg frei für eine Lösung, die nachhaltig, kommunalfreundlich und verbrauchernah ist".

Kern des Gesetzes ist die bundesweite Einführung einer Wertstofftonne als Ersatz beziehungsweise Erweiterung des Inhaltes der bisherigen gelben Tonne. Darin landen sollen künftig neben dem Verpackungsmüll auch sogenannte stoffgleiche Nichtverpackungen, wie alte Töpfe, Pfannen und Plastikschüsseln oder auch Spielzeug und verbogenes Besteck in der Fachsprache genannt werden. Zwar ist die Sammlung von Verpackungsabfällen und anderen Abfällen aus Kunststoff oder Metall in einer zur Wertstofftonne erweiterten gelben Tonne bereits auf der Grundlage des geltenden Rechts möglich. Ein derartiges Angebot gibt es laut Umweltministerium schon für rund zwölf Millionen Bürger. Mit flächendeckend eingeführten Wertstofftonnen soll die Recyclingmenge um rund sieben Kilogramm pro Einwohner und Jahr erhöht werden.

Was soll rein in orange Tonne?

Bis auf den politischen Willen ist aus Sicht von Peter Thiem in Lauchhammer allerdings noch nichts geklärt. Was genau versteht die Politik unter Wertstoff, unter stoffgleichen Nichtverpackungen, fragt sich Thiem. Das müsse genau definiert werden. Zudem laufe diese Entsorgung über das privatwirtschaftlich organisierte Duale System Deutschland - in Elbe-Elster insgesamt zehn unterschiedliche Systeme.

Dagegen werden Wertstoffe, die im Restmüll landen, schon heute beim Abfallentsorgungsverband Schwarze Elster aussortiert, verschiedenen Stoffgruppen zugeordnet und einer Wiederverwertung zugeführt oder in Müllverbrennungsanlagen entsorgt. Nicht nur in Lauchhammer geht dabei "die manuelle Sortierung gegen null". Thiem erläutert, dass die Erkennung der Stoffe etwa durch Infrarot geschieht. Solange der Gesetzentwurf von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) nicht vorliegt, lasse sich aber nur spekulieren. Klar ist für Thiem: "Wir werden umsetzen, was das Gesetz verlangt."

Welche Hürden bis dahin noch zu nehmen sein werden, verdeutlicht Verena Köttker, Generalbevollmächtigte beim Berliner Recyclingkonzern Alba Group. "Anhand der Eckpunkte lässt sich gar nicht beurteilen, ob das Gesetz wirklich zu mehr Umweltschutz, sinkenden Preisen für die Bürger und einem fairen Wettbewerb führt."

Streit um lukrative Entsorgung
Unterdessen ist zwischen Kommunen und privaten Entsorgern der Streit über die künftigen Zugriffsrechte auf das lukrative Recyclingmaterial und dessen Weiterverwertung entbrannt.

Städte und Gemeinden wollen sich nicht mehr allein mit der Hausmüllentsorgung zufriedengeben und sich daher den Zugriff auf den Verpackungsmüll aus der gelben Tonne sichern, dessen Sammlung schon seit Einführung des Grünen Punkts in den 1990er-Jahren privatwirtschaftlich organisiert ist.

Für Kommunen wie Cottbus könnten daraus Zusatzeinnahmen resultieren. "Doch darüber muss das Gesetz Auskunft geben", erklärt die Cottbuser Amtsleiterin für Abfallwirtschaft, Sybille Schneider. Die Stadt will übrigens nicht unbedingt die gelbe gegen eine orange Tonne tauschen. Schließlich komme es nicht auf die Farbe, sondern auf den Inhalt an. "Und darauf", betont Sybille Schneider, "dass möglichst viele Materialien einer stofflichen Wiederverwertung zugeführt werden."

Zum Thema:
Gelbe Tonne: Im Jahr 2012 fielen fast 16,6 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle an - Deutschlands bisher höchster Wert. Davon konnten 70,5 Prozent recycelt werden.Schwarze Tonne: 2013 kamen in Deutschland knapp 5,68 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle zusammen. 42 Prozent davon wurden wiederverwertet, 57 Prozent verbrannt - in Müllverbrennungsanlagen oder als Brennstoffe in Zementwerken oder Kraftwerken.Blaue Tonne: 2012 wurden in Deutschland 244 Kilogramm Pappe, Papier und Karton pro Einwohner verbraucht. Gleichzeitig wurden 15,7 Millionen Tonnen Altpapier gesammelt - das ergibt eine Altpapierrücklaufquote von rund 76 Prozent.