Die US-Regierung war da nicht ganz so vorsichtig: Immer wieder pochten Präsident George W. Bush und seine Ministerriege vor einem Jahr darauf, der irakische Präsident Saddam Hussein verfüge definitiv über Massenvernichtungswaffen. Mittlerweile würde dies wohl kaum noch jemand sagen - das irakische Waffenpotenzial war offenbar sehr viel schwächer, als die USA immer behauptet haben. Für die einzig verbliebene Supermacht der Welt ist dies eine peinliche Panne, die ihre Glaubwürdigkeit grundsätzlich infrage stellt.

Nur Rumsfeld gibt nicht auf
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gehört zu den wenigen, die sich noch immer überzeugt davon geben, dass Irak vor Kriegsbeginn Massenvernichtungswaffen besessen hat. Das US-Expertenteam habe dafür zwar bislang keine Beweise gefunden, aber das beweise noch längst nicht das Gegenteil, nämlich dass Bagdad keine Massenvernichtungswaffen gehabt habe, sagte der für seine markigen Worte bekannte Rumsfeld jetzt vor dem Waffenausschuss des US-Senats. Für endgültige Schlussfolgerungen sei es noch zu früh.
In Washington halten es aber viele für höchste Zeit, das Vertrauen in die USA wiederherzustellen. "Die Glaubwürdigkeit der USA hat weltweit durch diese Waffenaffäre ganz stark gelitten", sagt der ehemalige Sicherheitsberater von Ex-US-Präsident Jimmy Carter, Zbigniew Brzezinski. "Vertrauen ist aber ein entscheidender Faktor für Macht. Ein Amerika, das eine Vormachtstellung hat, dem aber kein Vertrauen entgegengebracht wird, ist ein international geschwächtes Amerika."
Ähnliche Bedenken hatte bereits der ehemalige US-Waffeninspekteur David Kay geäußert, der die Bush-Regierung durch seinen spektakulären Rücktritt in schwere Bedrängnis gebracht hat. Die USA benötigten dringend eine unabhängige Untersuchung der Geheimdiensterkenntnisse, sagte Kay bei seinem Auftritt vor dem US-Senat. "Das ist nicht nur wichtig für unsere Nation, sondern auch für unsere Glaubwürdigkeit als Weltmacht."

Politische Konsequenzen
In der Tat mehren sich die Anzeichen dafür, dass das Ansehen der USA bei einigen Verbündeten bereits Schaden genommen hat. Informationen aus Washington über "Schurkenstaaten" wie Nordkorea oder den Iran würden mittlerweile weniger ernst genommen, glauben Experten.
"Dass wir uns in der Irak-Frage dermaßen geirrt haben, hat auch Auswirkungen auf die Beurteilung der Nordkorea-Krise", erklärt der Abrüstungsexperte Jon Wolfsthal von der Carnegie-Stiftung. Einige asiatische Alliierte zweifelten mittlerweile an den US-Informationen über die aktuelle Lage in Pjöngjang.