Es hat also etwas zu bedeuten, dass Ban die heute beginnende Woche internationaler Spitzentreffen auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen mit ungewohnt kraftvoller Rhetorik als "intensivste Periode der Diplomatie in der Geschichte der Vereinten Nationen" beschreibt. Groß ist die Zahl der Teilnehmer, groß aber auch die Last der Probleme, über deren Lösung sie beraten sollen. Die mehr als Hundert Staats- und Regierungschefs werden über Klimawandel sprechen und über die Krisen in Iran, Irak, Afghanistan, Kosovo und Nahost.

Klimawandel als Kernanliegen
Wenn die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) heute Nachmittag auf dem Klimagipfel im New Yorker UN-Gebäude für ihren Kampf gegen die Erderwärmung wirbt, kann sie sich der Billigung des UN-Generalsekretärs sicher sein. Ban hat den Klimawandel zu einem Kernanliegen seiner Amtszeit erklärt. "Wir können auf diesem Weg nicht mehr lange weitergehen", sagte Ban vor wenigen Tagen. "Es ist Zeit für ein entschlossenes Vorgehen auf weltweiter Ebene." Noch nie haben sich so viele Staats- und Regierungschefs versammelt, um exklusiv über den Klimawandel zu beraten.
US-Präsident George W. Bush, der sich verbindlichen Vorgaben der UN zum Klimaschutz widersetzt, wird nicht an dem Klimatreffen teilnehmen. Er wird allerdings als einer der ersten ans Pult treten, wenn morgen früh die traditionelle Generaldebatte der Vereinten Nationen beginnt. Das mehrtägige diplomatische Schaulaufen gibt allen 192 Mitgliedsstaaten die Möglichkeit, sich vom Plenarsaal der UN aus an die Welt zu wenden. Die Rednerliste hat es in sich: Kurz nach Bush wird einer von dessen Erzfeinden, der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad, vom gleichen Podium sprechen.

Sarkozy fordert Sanktionen
Ahmadinedschads Wunsch, auf dem Gelände des bei den Anschlägen am 11. Septem ber 2001 zerstörten World Trade Center einen Kranz niederzulegen, lehnten die New Yorker Behörden ab. "Ich kann verstehen, dass sie dort nicht den Chef eines Landes haben wollen, das den Terrorismus unterstützt", sagte Bush zu der Entscheidung. Ebenfalls morgen will Kanzlerin Merkel während der Generaldebatte sprechen.
Frankreichs neuer Präsident Nicolas Sarkozy wird am gleichen Tag sein UN-Debüt geben. Bereits vor dem Gipfel heizte Sarkozy die Diskussion um den internationalen Atomstreit mit dem Iran an. Die UN müssen ihre Sanktionen gegen die Führung in Teheran weiter verschärfen, sollte diese weiterhin der Aufforderung des Sicherheitsrats zur Aussetzung der Urananreicherung trotzen, forderte Sarkozy. Frankreich will auf jeden Fall verhindern, dass der Iran eine Atombombe baut - und weiß sich dabei mit den USA einig. Am Rande der Generaldebatte wollen die Außenminister der 5+1-Gruppe - das sind die fünf UN-Vetomächte USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien gemeinsam mit Deutschland - über eine neue Sanktionsrunde beraten. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) wird Deutschland bei den Iran-Gesprächen am Freitag vertreten.

Gespräche über Kosovo
Steinmeier gehört auch zur Kosovo-Kontaktgruppe, die erneut versuchen will, Bewegung in die Gespräche über die Zukunft der südserbischen Provinz zu bringen. Serbien lehnt es strikt ab, die seit dem Krieg von 1999 unter internationaler Verwaltung stehende Provinz in die Unabhängigkeit zu entlassen. Russland steht fest an Serbiens Seite. Bis zum 10. Dezember muss die Kontaktgruppe den UN eine einvernehmliche Lösung vorlegen. Sollte dies nicht gelingen, gilt als ausgemacht, dass die USA und einige EU-Staaten die Unabhängigkeit des Kosovo anerkennen werden.