Und doch war der Beginn mühselig, gerade im deutschen Osten. Einen richtigen Pusch bekam die Sammlerei drum erst nach der Wende. Vor allem als Hunger und einige sächsische Schilderfreaks im Jahre 2000 Sven Rost kennen lernten, bedeutete dies den Durchbruch. Der Internetdienstleister aus Westfalen, der in Großolbersdorf eine Firma gründete, verfiel diesem Sammelgebiet schon als 14-jähriger nach einer Reise mit den Eltern nach Alaska, von wo er einige US-Kennzeichen mitbrachte.
Gemeinsam gründeten sie einen Verein Nummernschilder e.V. mit Sitz Großolbersdorf bei Chemnitz. Und was sie hier über die Jahre zusammentrugen, suche wohl weltweit seinesgleichen, ist Hunger überzeugt. Praktisch keine Ecke des Planeten scheint vergessen, selbst solch exotische Eilande wie Pitcairn im Südpazifik fehlen nicht. Zur Erinnerung: Das ist jene Insel, auf der einst die Meuterer von der Bounty ansässig wurden.

Sehr hoher Schilderpreis
Jüngst erst kamen einige Kennzeichen aus früheren GUS-Staaten wie Kasachstan und Aserbaidschan hinzu sowie welche aus Nordkorea. Allerdings kostet die Mitglieder manches Schild auch schon fast den Preis eines Kleinwagens. Denn für die seltenen Nummerntafeln aus dem Vatikan, wo gerade 150 Autos zugelassen sind, bleche man unter Sammlern auch schon um die 3000 Euro, so Hunger. Andere Raritäten seien dagegen schon für 300 bis 400 Euro zu haben, etwa Schilder von Osttimor, aus der malaysischen Provinz Sabah oder dem Oman.
Seit Jahren lässt der Verein, der heute Mitglieder bundesweit und auch im Ausland hat, keine Gelegenheit ungenutzt, um an historische Kennzeichen und Schilder aus aller Welt zu kommen. Sie schreiben Briefe in alle Welt, inserieren in Anzeigen, durchstreifen Flohmärkte, besuchen Oldtimertreffen. So kam mit der Zeit eine imposante Kollektion an Tausenden Kennzeichen aus über 170 Ländern und Territorien zusammen.
Rund 5000 davon können Liebhaber auch in einem Museum in Großolbersdorf besichtigen. Da gibt es Nummernschilder aus Bahrain und Burma, Macao und Mauretanien, Sudan und Sambia, aus allen Ecken der USA oder auch spezielle Zeichen etwa für Militär- oder Botschaftsfahrzeuge. Zu den neueren Beutestücken gehört ein Blechquadrat mit einer römischen Eins auf grünen Grund. "Es befand sich am Fahrzeug von Königin Elizabeth II., als diese die Bahamas besuchte", erläutert Hunger.
Auch uralte deutsche Kennzeichen finden sich im Vereinsfundus. Denn über die reine Sammellust hinaus drang die Truppe tief in die Frühgeschichte der Autokennzeichen ein - bis zu den alten Römern, die damals schon ihre Streitwagen nummerierten. "Die ersten echten Nummernschilder oder auch Nummerntafeln der Neuzeit konnten zwischen 1870 und 1890 in einigen deutschen Orten und Provinzen an Fahrrädern beobachtet werden", erläutert Rost. Diese wurden lokal ausgegeben und setzten sich aus einem Buchstaben und einer fortlaufenden Zahl zusammen. Bald gab es auch erste Strafzettel, die sich ebenso in den Sammlungen des Vereins finden wie einzigartige Originalzeugen zur Zulassungsgeschichte von Motorfahrzeugen, alte Führerscheine und Fahrzeugpapiere sowie Dokumente zur 70-jährigen Entwicklung des Fahrschulwesens.
Das überhaupt erste Nummernschild, die "1", wurde übrigens schon 1896 an ein Automobil in Baden ausgegeben, fanden die Freizeitforscher heraus. Bis 1906 seien dann alle Staaten und Provinzen des Deutschen Reichs mit teilweise nur lokal gültigen Kfz-Kennzeichen gefolgt, ehe 1906 ein Gesetz reichseinheitliche Nummernschilder regelte. Hierbei erhielt Preußen die römische I, Bayern die II und Württemberg die III. Nach der Ziffer folgte ein Buchstabe für die jeweilige Stadt sowie eine Seriennummer. In Sachsen dagegen benutzte man nur die römischen Ziffern. I war Bautzen, II Dresden, III Leipzig.

Tauschbörse am 3. Mai 2008
Auf 300 Quadratmetern zeigt die Schau als eine ihrer jüngsten Erweiterungen eine alte Prägewerkstatt sowie eine authentische möblierte Fahrschule mit drei Fahrschulsimulatoren aus der Zeit von 1950 und 1970. Kontakt: Nummernschilder e. V., Tel. 0372/69/87448. de. Geöffnet Di. bis Sa. 9 bis 17 Uhr, So.10 bis 17 Uhr. Am 3. Mai 2008 lädt der Verein zum 6. Nummernschilder-Tauschtreffen nach Großolbersdorf, Grünauer Str. 3 ein.
Kontakt im Internet: www.nummernschildmuseum.