Jede einzelne für sich ist ein kleines Kunstwerk, gefertigt in der letzten Zinngießerei Brandenburgs. Doch damit ist Schluss: Vor einigen Monaten hat Inhaberin Ingeborg Neumann die Produktion eingestellt; Anfang September wird das Anwesen in Neuhof nahe Jüterbog (Teltow-Fläming) versteigert.

Hauptattraktion war Gießerei
"Ich würde mich freuen, wenn jemand den Betrieb weiterführt", sagt die 69-Jährige. Nur eine schmale Straße führt in den kleinen, beschaulichen Ort, dessen Hauptattraktion die Zinngießerei über viele Jahre war. Busse voller Ausflügler und ganze Schulklassen kamen regelmäßig hierher, um sich die Produktion anzusehen und um selbst kleine Figuren zu gießen. "An Wandertagen war hier komplett ausgebucht", erzählt Neumann. Aber auch zum Zinn Gießen an Silvester seien immer viele Leute gekommen.
1992 war sie gemeinsam mit ihrem Mann aus Berlin hierher gezogen weil die kleine Kellerwerkstatt, in der das Ehepaar seit 1985 Zinnfiguren für eine Modelleisenbahn produzierte, zu klein geworden war. "Wir mussten das ganze Anwesen renovieren. Das war wirklich eine Wahnsinnsarbeit", sagt Neumann. In einem Gebäudeteil richteten sie die Werkstatt mit Schmelzöfen und Gussanlagen ein, nebenan kamen später ein kleines Lokal und ein Ausstellungsraum dazu.
Und das Geschäft lief gut: Mehr als 500 verschiedene Figuren stellten die Eheleute über die Jahre her, darunter bemalte und unbemalte, aber alle im Maßstab 1:22,5. "Handwerk und Beruf standen bei uns im Mittelpunkt", erzählt Neumann. Zinnsoldaten hatte das Paar dagegen nicht im Programm. "Davor haben wir uns gehütet", sagt sie. "Wir wollten einfach unsere eigene Handschrift haben."

In alle Welt verkauft
Auf Messen verkauften die Neumanns die Figuren schließlich in alle Welt: in die Niederlande und nach Dänemark, aber auch in die USA und nach Australien. "Der Schornsteinfeger lief immer besonders gut", berichtet die 69-Jährige. Nur eine Hand voll Exemplare davon sind heute noch übrig. Sie stehen unter den zahllosen anderen Figuren in den Vitrinen des Ausstellungsraumes. Auch das erste Modell, das die Neumanns produzierten, ist darunter: ein Schaffner .

Zurück nach Berlin
Selbst ein Teil der Maschinen und Geräte steht immer noch in der Werkstatt, auch wenn Ingeborg Neumann die Produktion nach dem Tod ihres Mannes vor einigen Jahren einschränkte und vor einigen Monaten ganz aufgab. "Ich will wieder zurück nach Berlin", sagt sie.
Dass jemand nicht nur das Gebäude kauft, sondern auch die Produktion weiterführt, hofft Neumann nach wie vor. Und in dem Fall würde sie den neuen Inhabern sogar einen Teil ihrer Figuren schenken. "Das hier ist schon etwas Besonderes", sagt sie. Schließlich gebe es in ganz Deutschland heute nur noch rund ein Dutzend Zinngießereien, die die Figuren traditionell von Hand herstellen - und ihre eigene Werkstatt sei zuletzt die einzige in Brandenburg gewesen.
Eine Figur will Neumann allerdings noch zu Ende bringen. "Die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind das ist meine letzte Arbeit. Die Nase ist noch nicht ganz perfekt, uns fehlt außerdem noch ein klein wenig Farbe."