Gefallen waren die teilweise blutjungen Rotarmisten im Frühjahr 1945 bei der erbittertsten Schlacht des Zweiten Weltkrieges auf deutschem Boden. Wie viele Soldaten und Zivilisten dabei ums Leben kamen, ist bis heute nicht bekannt. Schätzungen gehen von 100 000 Opfern aus.
Überall im Oderbruch entstanden nach Kriegsende Gräberstätten für die zahlreichen Toten beider Seiten. In Seelow waren russische Soldaten unter anderem dort beerdigt worden, wo sich heute wieder der Marktplatz befindet. Ein weiterer Friedhof mit den sterblichen Überresten von 30 Armeeangehörigen befand sich laut Übergabeprotokoll der sowjetischen Militäradministration an die Stadt Seelow vom 30. Oktober 1946 am nördlichen Stadtrand. Angeblich waren die einzelnen Gräberfelder 1972 umgebettet worden - auf das neugestaltete Areal der Gedenkstätte auf den Seelower Höhen.
Doch nun meldeten sich Zeitzeugen, die darauf verwiesen, dass zumindest im Fall des zweiten Friedhofes lediglich die Grabsteine umgesetzt worden waren. "Die Toten hat man bei dieser Nacht- und Nebelaktion leider Gottes einfach an Ort und Stelle liegen lassen", ärgert sich Seelows Bürgermeister Udo Schulz. Der Kommunalpolitiker ist sauer darüber, dass die peinliche und pietätlose Geschichte erst mehr als 35 Jahre später herauskommt. Ein Strausberger Autohändler hatte das 240 Quadratmeter große Areal an der B 167 gekauft und auf dem unbefestigten Gelände seit geraumer Zeit seine Neuwagen präsentiert, ohne zu ahnen, was im Boden noch schlummerte.
Ausgerechnet die 1972 Verantwortlichen für die angebliche Umbettung hatten daraufhin gemahnt, dass dort doch noch die Gebeine von russischen Kriegstoten liegen. "Zeitzeuge Hubert Nowak war damals Leiter des Kreisbauamtes, das mit der Gestaltung der neuen Gedenkstätte beauftragt war. Er war also verantwortlich und meldet sich erst jetzt", grollt Schulz.
Auch Erwin Kowalke ist ärgerlich. "Die hätten mich damals nur informieren müssen. Ich hätte die Gebeine schon rausgeholt", sagt der seit Jahrzehnten als Umbetter des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge tätige Buckower.
Ebenso Bauarbeiter verrieten 20 Jahre später nicht, dass sie beim Verlegen einer Abwasserleitung auf dem Gelände der ehemaligen Kriegsgräberstätte auf menschliche Knochen gestoßen waren. Statt dessen verscharrten sie die sterblichen Überreste wortlos wieder, wie Umbetter Kowalke jetzt feststellen musste. Mit einem Minibagger des Seelower Bauhofes war er jetzt zu einer Suchgrabung auf dem Autohaus-Gelände an der B 167 angerückt und in zwei Metern Tiefe auf ein Sammelsurium an Knochen und das Abwasserrohr gestoßen. Noch tiefer lagen dann die sterblichen Überreste von höchstwahrscheinlich vier Soldaten, die nach Ansicht Kowalkes zum Zeitpunkt ihres Todes nicht älter als 21 Jahre alt gewesen sein dürften.
Für Kowalke und Seelows Bürgermeister ist es überhaupt keine Frage, dass die Gebeine dorthin gehören, wo auch die roten Granit-Grabsteine stehen. Eine endgültige Umbettung soll nun im April erfolgen.