Bush droht: "Saddam ist eine Gefahr und deshalb wird er entwaffnet werden - auf die eine oder andere Weise." Trotz dieser scharfen Worte ist die Supermacht aber offensichtlich darum bemüht, einen Alleingang nur mit Hilfe weniger Verbündeter zu vermeiden und die Uno in den Countdown einzubinden.
Obwohl die Verärgerung über den heftigen Widerstand der Mehrheit im Weltsicherheitsrat gegen das US-Kriegsdrängen wächst, möchte die Bush-Administration die internationale Karte so lange wie möglich spielen. Je breiter die Koalition gegen den Irak in einem Krieg sei, desto besser, heißt es. Dabei denken das Weiße Haus und die Bevölkerung nicht nur an eine Militäraktion, sondern auch an die Periode danach. Ohne die Unterstützung anderer Länder wären Demokratisierung und Wiederaufbau des Iraks nach einem Sturz des Diktators Saddam Hussein ungleich schwerer. Außenminister Colin Powell redet über eine "ziemlich langfristige Verpflichtung", die im Land zwischen Euphrat und Tigris warte.

Truppenaufmarsch geht weiter
Zeit zum Abwarten haben die USA auch militärisch noch. Der Truppenaufmarsch ist bereits weit fortgeschritten, aber noch nicht vollendet. Die idealen Temperaturen zum Kriegführen herrschen zwar am Persischen Golf bis Mitte März und mit Einschränkungen bis Mitte April, doch haben die Generäle versichert, dass die Streitkräfte bei jedem Wetter einsatzbereit wären. Ihr Oberkommandierender am Golf, Tommy Franks, unterrichtete das Weiße Haus einen Tag vor dem Bericht der UN-Waffeninspekteure über "die Fertigstellung militärischer Pläne". Ein Sprecher des US-Zentralkommandos fügte hinzu: "Von der Fertigstellung militärischer Pläne bis hin zur Präsentation von Optionen geschieht alles, was General Franks derzeit tut, zur Unterstützung diplomatischer Bemühungen".
Die Betonung liegt allerdings auf derzeit. Nachdem Bush im vergangenen Herbst mit seiner Irak-Politik zu den Vereinten Nationen ging, wird es nach Auffassung seiner Berater jetzt langsam Zeit, dass sich die Vereinten Nationen der Position von Bush annähern. Zumindest bis zum nächsten geplanten Bericht der Inspekteure an den Sicherheitsrat am 1. März haben sie diese Zeit. Offen ist, ob es nach französischem Wunsch noch zu einem neuen "Showdown" am 14. März kommt.

Veto bedeutet das Aus
Bisher stehen sich die Widersacher so unversöhnlich gegenüber, dass die USA und ihr wichtigster Partner Großbritannien sich fragen, ob die von ihnen angestrebte zweite Irak-Resolution überhaupt Chancen hat. Nur Großbritannien, Spanien und Bulgarien schlugen sich auf die Seite Washingtons. Mindestens neun der 15 Sicherheitsratsmitglieder wären für die Annahme der Resolution nötig. Ein Veto durch Frankreich, China oder Russland bedeutete automatisch das Aus. US-Beamte überlegen nach Medienberichten, ob es der Mühe wert wäre, eine Entschließung mit einem Ultimatum einzubringen - die dann nicht nur eine Frist für den Irak, sondern auch für die Anhänger einer diplomatischen Lösung setzte.
In der Fortsetzung des multilateralen Weges sieht Washington aber kein Muss. Die bereits verabschiedete Resolution 1441 mit der Androhung "ernster Konsequenzen" reicht nach seiner Auffassung schon, den Irak gewaltsam abzurüsten. Auch eine neue Ermächtigung durch den Kongress, die einige Parlamentarier fordern, hält sie für überflüssig. Selbst eine "schwache" neue Resolution ohne ausdrückliche Warnung vor Konsequenzen oder einem Militäreinsatz würde Bush nach dieser Lesart nicht die Hände binden. Zu diesem Kompromiss, so wird in den USA auch spekuliert, wären die widerstrebenden Sicherheitsratsmitglieder möglicherweise bereit.