An „Ground Zero“ in New York, wo einst die Zwillingstürme des World Trade Center standen, wurden die Namen der fast 3000 Toten verlesen. Im Verteidigungsministerium in Washington, wo bei dem Anschlag 184 Menschen starben, wurde im Beisein von Präsident George W. Bush ein großes Denkmal für die Opfer eingeweiht. Die Kandidaten Barack Obama (Demokraten) und John McCain (Republikaner) setzten ihren Wahlkampf für einen Tag aus. Als Geste der Einigkeit gegen den Terrorismus wollten sie gemeinsam „Ground Zero“ besuchen.

Zeremonie mit Hinterbliebenen
In zwei Gedenkminuten um 8.46 Uhr und 9.03 Uhr (Ortszeit, 14.46 Uhr und 15.03 Uhr MESZ) erinnerten die Menschen in New York an die Augenblicke, in denen Terroristen die entführten Flugzeuge vor sieben Jahren in die beiden Türme des World Trade Center steuerten. Bei dem Jahrestag gehe es darum, „dass New Yorker, Amerikaner und die Bürger der Welt jener Unschuldigen aus 95 Ländern gedenken, die an diesem Tag ihr Leben verloren haben“, sagte New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg bei der Zeremonie. An der von klassischer Musik untermalten Veranstaltung nahmen zahlreiche Hinterbliebene teil.
Präsidentschaftsbewerber Obama sagte in Washington: „Im dunkelsten Moment haben wir hier in Amerika verstanden, dass wir am Leben der Anderen teilhaben (...) und wir als Nation gemeinsam aufsteigen und fallen.“ Seine Sprecherin Linda Douglass sagte: „Dies ist ein Moment, an dem wir die Politik beiseitelassen.“ Der gemeinsame Besuch Obamas mit McCain am Nachmittag (Ortszeit) solle ein Symbol für die Einigkeit sein, es werde keine Ansprachen dabei geben.
New Yorks Bürgermeister Bloomberg nutzte den Jahrestag zur Kritik am schleppenden Fortgang der Bauarbeiten an „Ground Zero“. „Die Fortschritte bei der Neuentwicklung des World Trade Center sind frustrierend langsam“, schrieb Bloomberg in einem Beitrag für das „Wall Street Journal“. Die vielschichtigen Verwaltungsstrukturen hätten die Verantwortlichkeiten verwässert.

Stahlträger für Freedom Tower
Erst in dieser Woche wurden die ersten Stahlträger für den geplanten Freedom Tower und ein Mahnmal in den Boden eingelassen. Die Stadtverwaltung, der Bundesstaat New York und die Behörde, die Eigentümer des Geländes sei, müssten ihre Arbeit beschleunigen, forderte Bloomberg. „Das Wichtigste ist, dass das Mahnmal zum zehnten Jahrestag fertig ist.“
Der Chef des deutschen Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, würdigte anlässlich des Jahrestags die Sicherheitsbemühungen in Deutschland. Es müsse immer wieder darauf hingewiesen werden, „dass wir in einem weltweiten Gefahrenraum leben, dass wir in Europa, auch in Deutschland, bedroht sind, aber uns auch gut aufgestellt haben“, sagte Ziercke im ZDF-Morgenmagazin. Die Sicherheitsbehörden hätten „keine konkreten Anhaltspunkte“ für eine aktuelle Anschlagsplanung in Deutschland.
Es gebe aber rund 200 Ermittlungsverfahren mit islamistisch-terroristischem Ansatz, über 50 Menschen, die in Terrorcamps ausgebildet wurden und 23 Tatverdächtige, die seit 2003 durch deutsche Gerichte verurteilt worden seien.
Die Angehörigen der deutschen Opfer des 11. September haben seit gestern in Berlin einen Ort zum Trauern. Elf Deutsche starben an diesem Tag im World Trade Center in New York, über ihr Schicksal ist in ihrer Heimat kaum etwas bekannt. Im Innenhof der amerikanischen Botschaft hat US-Botschafter William R. Timken gestern einen Gedenkstein enthüllt.

Ein Datum, das Angst macht
Der Sohn von Manfred Gorki ist unter den rund 3000 Opfern der Terroranschläge von New York. „Der 11. September ist ein Datum, das uns seit einigen Jahren Angst macht“, sagt Gorki. Sein 27-jähriger Sohn Sebastian, Angestellter der Deutschen Bank, war im 96. Stockwerk des Südturms, als die Flugzeuge ins World Trade Center rasten. „Ich bin enttäuscht, weil die Bundesrepublik sich nicht zu einer Gedenktafel durchringen konnte“, sagt Gorki. (AFP/cd)