Mit der Aufteilung in drei Militärzonen solle bereits im Mai begonnen werden, heißt es in US- Regierungskreisen. Und bis zum Monatsende werden die ersten Truppenkontingente aus den befreundeten Staaten im Irak erwartet.
Skeptiker aiuch in militärischen Kreisen sprechen von einem ehrgeizigen, ja riskanten Plan. Die Lage im Irak sei noch weit von jenem "sicheren Umfeld" entfernt, das zum reibungslosen Aufbau der Infrastruktur und einer zuverlässigen neuen Regierung nötig sei, zitierte der öffentliche Radiosender NPR einen Exgeneral.

Opposition im eigenen Land
Tatsächlich haben die USA aber mehr als einen Grund, möglichst rasch ihre "Koalitionäre" in die Sicherheitskontrolle des Landes einzubeziehen. Zum einen will die US-Regierung die eigenen Truppen nicht auf lange Sicht in großem Umfang in einer einzelnen Region binden. Das könnte im eigenen Land schließlich doch Opposition hervorrufen, nachdem Präsident George W. Bush während des Krieges immer wieder stolz auf seine "Koalition der Willigen" verwiesen hatte.
Noch wichtiger aber: Die Iraker haben hinreichend klar gemacht, dass sie zwar dankbar für ihre Befreiung sind, aber die Amerikaner nun gerne wieder loswerden würden. In der arabischen Welt insgesamt, aber auch bei anderen Kriegsgegnern rund um den Globus wird argwöhnisch verfolgt, ob sich die USA als langfristige Kontrolleure und Importeure ihrer politischen Vorstellungen und Wertorientierung einnisten wollen. Der US-Regierung ist daher daran gelegen, möglichst rasch dem Eindruck einer Besatzungsmacht entgegenzutreten und die Lasten der Friedenssicherung auf möglichst viele andere Schultern zu verteilen.
Kommentatoren weisen auch darauf hin, dass es den USA durch eine rasche "Multinationalisierung" leichter gelingen könnte, die Kritik an ihrem praktischen Ausschluss der UN von den Stabilisierungsbemühungen zumindest einzudämmen. Dabei gehen die USA keineswegs die Gefahr ein, das Zepter aus der Hand zu geben. Der oberste Zivilverwalter im Irak ist Amerikaner, der Oberbefehl über die Divisionen in den geplanten Militärzonen bleibt bei Tommy Franks und damit bei einem US-General, und die USA behalten sich mit einer eigenen Division die Kontrolle der wichtigsten Region Bagdad vor.
Das Konzept gibt auch einen deutlichen Hinweis auf die künftige Gewichtung der USA im Umgang mit den europäischen Verbündeten. Polen, das von Pentagon-Chef Donald Rumsfeld gestern ausdrücklich erneut als hervorragender Freund gewürdigt wurde, soll das Kommando über eine Division im Irak übernehmen - eine enorme Auszeichnung für das Land, das sich damit endgültig als Hauptpartner der USA im "neuen Europa" herauskristallisiert hat.

Lohn der Gefolgschaft
Noch in dieser Woche will der US-Präsident nach Angaben eines Sprechers sieben europäische Außenminister im Weißen Haus empfangen. Einzelheiten sind noch nicht bekannt, aber es gilt als wahrscheinlich, dass es sich hauptsächlich um osteuropäische Vertreter handelt. Bei dem Treffen dürfte es nicht nur um eine Beteiligung an den Stabilisierungstruppen im Irak gehen, sondern auch um finanzielle Belohnungen für treue Gefolgschaft. "Nach dem militärischen Sieg im Irak ist es Zeit für eine Bestandsaufnahme", formulierte es ein Regierungsbeamter. "Wir wissen nun, auf wen wir uns verlassen können."