Was für ein kraftvoller Auftakt für so viele bewegende Momente, überbordende Gefühle, vergnügliche und nachdenkliche Worte, getaucht in Musik, während dieser festlichen Preisverleihung an Künstler und Nachwuchswissenschaftler in Cottbus.

Prof. Dr. Claus Lamprecht, Vorstandsvorsitzender der Max-Grünebaum-Stiftung, begrüßt dazu besonders herzlich Vertreter der Stifterfamilie. Während die Urenkelin Max Grünebaums, Rosie Simoneau, zum ersten Mal dabei ist, ist es für Urenkel John Gumbel bereits die zwölfte Preisverleihung.

Peter Gumbel aber beschwört vor dem Auditorium in fließendem Deutsch den Geist seiner Urgroßeltern, des Tuchfabrikanten Max Grünebaum und seiner Frau Caroline Beer herauf. Sie liebten das Theater und unterstützten es, finanzierten sogar den Theatervorhang, hatte ihm einst die Großmutter erzählt. "Stolz würden sie sein, säßen sie wie damals auf den besten Logenplätzen in ihrem Theater", ist er sich sicher, denn der Geist von damals, Kunst und Bildung einen dauerhaften humanistischen Stellenwert zu verleihen, sei hier lebendig: "In Cottbus spielt die Musik weiter", sagt er.

Geste des Verzeihens

Aber er erinnert auch daran, wie sein Großvater wegen seiner jüdischen Abstammung während der Reichskristallnacht verhaftet wurde. Proteste der Belegschaft seiner Fabrik machten es möglich, dass er freigelassen wurde und nach England fliehen konnte. Die Fabrik gebe es seit Langem nicht mehr, aber die Werte eines gerechten menschlichen Handelns haben Bestand, ist er überzeugt.

Beeindruckt von dieser großherzigen Geste des Verzeihens und des Glaubens an die Zukunft ist auch die Schauspielerin Laura Maria Hänsel, die seit der Spielzeit 2011/2012 fest am Staatstheater Cottbus engagiert ist und zu den Preisträgern gehört. Schauspieldirektor Mario Holetzeck hebt ihr großes Talent hervor, ihre tiefe Emotionalität, kraftvolle Vitalität und Authentizität. In Cottbus beeindruckte sie unter anderem als Kassandra, auch in Strittmatters Laden sind ihre Frauengestalten unverwechselbar.

"Und es ward Licht", leitet der Intendant des Cottbuser Staatstheaters Martin Schüler mit dieser "wichtigsten Regieanweisung aus dem Alten Testament" zur Vergabe des Karl-Newman-Förderpreises (der an einen Verwandten Max Grünebaums erinnert) über. Er wisse, dass der Cottbuser Beleuchtungsmeister Ulf Kupke den damit verbundenen Aufenthalt in London gut nutzen werde, denn dort gäbe es die raffiniertesten Lichttempel der Welt.

Der Präsident der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus, Prof. Dr. habil. Walther Chr. Zimmerli, würdigt wortreich den Versuch von Dr. phil. Jakob Meier, die Kluft zwischen Geistes- und Naturwissenschaften zu überwinden. Der junge Wissenschaftler schrieb seine Doktorarbeit zum Thema "Synthetisches Zeug. Technikphilosophie nach Martin Heidegger" und erhielt dafür in dem 2012 abgeschlossenen Promotionsverfahren das Prädikat "summa cum laude". Sein Doktorvater Prof. Dr. Klaus Kornwachs, inzwischen im Ruhestand, ist zur Verleihung seines Max-Grünebaum-Preises nach Cottbus zurückgekehrt.

Vergnügen am Denken

Ohne eine Anspielung auf die Hochschuldebatte endet die Vergnügen am Denken stiftende Rede Prof. Zimmerlis nicht. "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende" zitiert er Hölderlin. Das Rettende aber liege in der Kunst der Gelassenheit, die wiederum mit der Technik zu tun hat, schließt der BTU-Präsident den Kreis.

Der Geehrte Jakob Meier aber atmet tief durch und dankt, ganz wie bei einer Oscar-Verleihung, Eltern, Frau und Tochter sowie allen, die geholfen haben, seine eigenen Gedanken zu verstehen.

Auch der in Herzberg geborene Dr.-Ing. Jens Nipkau kann sich über einen Max-Grünebaum-Preis freuen. Die in seiner Dissertation an der BTU Cottbus entwickelten Methoden, mit der Bestnote "summa cum laude" bewertet, werden gegenwärtig beim Triebwerkshersteller Rolls-Royce Deutschland in den Designprozess integriert. Die Zukunft seiner einstigen Uni aber ist ihm wichtig: "Die BTU gehört zu Cottbus wie der Postkutscher zum Cottbuser Postkutschkasten", entwirft er ein Wortspiel.

Die Ernst-Frank-Förderpreisträgerin der BTU Cottbus heißt Delia Gageanu. Die aus Rumänien stammende Studentin im Master-Programm World Heritage Studies erhält für außergewöhnlich gute Studienleistungen ein Stipendium in Großbritannien. Namensgeber des Preises ist der Mitinhaber der Cottbuser Tuchfabriken und Schwiegersohn von Max Grünebaum.

An einer der bedeutenden Welterbe-Organisationen Großbritanniens, der National Trust for Scotland, absolviert sie derzeit ein Praktikum.

Dem ersten Max-Grünebaum-Preisträger dieses Sonntages, dem Philharmonischen Orchester, gehört zwischendurch immer wieder und am Ende die Bühne. Marlene Lichtenberg, Preisträgerin des Vorjahres, singt "Mon cr" aus "Samson et Dalila". Und es gibt neben Filmmusik Kostproben einer CD-Jubiläumsbox, produziert mit Unterstützung der Max Grünebaum-Stiftung und Vattenfall Europe AG, die an Uraufführungen und Konzerte des Philharmonischen Orchesters aus den vergangenen Jahren erinnert.

Und so ereignet sich nur wenige Stunden vor dem 100. Geburtstag dieses Klangkörpers ein wahres Wunder, wie es das Ehrenmitglied des Staatstheaters Dr. Serge Mund in seiner Laudatio beschreibt: Eine Symbiose von Geist, Gefühl, Handwerk und Harmonie. Eine gemeinsame Atmung.

Zum Thema:
Die Max-Grünebaum-Preisträger des Staatstheaters Cottbus sind die Schauspielerin Laura Maria Hänsel und das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus. Den Karl-Newman-Förderpreis, eine Studienreise nach London, erhält der Beleuchtungsmeister Ulf Kupke. Zwei hervorragende Nachwuchswissenschaftlerinnen der BTU Cottbus bekommen ebenfalls den Max-Grünebaum-Preis 2012: Dr. phil. Jakob Meier und Dr.-Ing. Jens Nipkau. Der Ernst-Frank-Förderpreis, der einen Studienaufenthalt in Großbritannien beinhaltet, wird an Delia Gageanu, verliehen. In diesem Jahr zum 16. Mal an junge Künstler und Forscher vergeben ist der Max-Grünebaum-Preis, mit jeweils 5000 Euro dotiert. Zurück geht er auf den Tuchfabrikanten und Cottbuser Ehrenbürger Max Grünebaum (1851-1925), der zeitlebens das Cottbuser Theater förderte. Aus rassistischen Gründen wurden die Nachfahren Max Grünebaums in der Zeit des Dritten Reiches aus Deutschland vertrieben. In Erinnerung an das Wirken von Max Grünebaum in Cottbus errichteten die in England lebenden Enkel im Mai 1997 die Max Grünebaum-Stiftung, mit der sie Brücken bauen wollen zwischen Cottbus und England.