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Die Union und das Baukindergeld

Berlin. Alle Parteien, die im September zur Bundestagswahl antreten, haben in ihren Wahlprogrammen markante und zum Teil auch ungewöhnliche Ideen parat, die wir in dieser Serie testen. Heute: Wie die Union mit Baukindergeld Familien unterstützen will. Hagen Strauß

Die Idee: CDU und CSU wollen jungen Familien beim Kauf von Wohneigentum mehr helfen als bisher. Damit der "Traum vom eigenem Heim stärker in Reichweite rückt", wie es im gemeinsamen Wahlprogramm heißt, soll es für jedes Kind pro Jahr 1200 Euro Baukindergeld geben.

Beim ersten Kauf eines Eigenheims soll außerdem die Grunderwerbsteuer erlassen werden.

Der Haken: Der Zuschuss wird begrenzt auf zehn Jahre. Auch soll der Anspruch erst ab dem 1. Juli 2017 gelten, das heißt für Kaufverträge, die ab diesem Stichtag abgeschlossen werden. Rückwirkend ist von CDU und CSU nichts geplant.

Die Bewertung: Wer sich als junge Familie ein Eigenheim oder eine Eigentumswohnung zulegen will, muss immer tiefer in die Tasche greifen. Die Preise sind deutlich gestiegen, und die Nebenkosten zehren oft das gesamte Ersparte auf. Zwar nehmen die derzeit niedrigen Zinsen etwas Druck von der monatlichen Belastung, aber in vielen Regionen kompensieren die Niedrigzinsen bei Weitem nicht mehr das Ausmaß des Preisanstiegs.

Darüber hinaus verlangen die Banken in der Regel hohe Eigenkapitalquoten, meist um die 20 Prozent. Gerade junge Familien sind aber oft nicht sehr kapitalstark, auch wenn sie gemeinhin zur Generation der Erben gehören.

Selbst wenn also die monatliche Belastung dank Niedrigzinsen tragbar wäre, scheitern viele an der Eigenkapitalschwelle. Hinzu kommt der "zweite Kaufpreis" in Form der Nebenkosten - wie für Notar oder Makler.

Bei einem Haus für 400 000 Euro kommen da schnell noch einmal 60 000 Euro dazu. Das Baukindergeld kann da also nur ein Anreiz sein, ein kleiner Zuschuss zum großen Ganzen.

Fazit: Besser als nichts, keine Frage. Aber wegen des Baukindergeldes Eigentum zu erwerben, ist keine Verlockung. Ausschlaggebend für den Kauf einer Wohnung sind nun mal andere Faktoren. Und klar ist doch auch, dass die Bauträger schnell herausfinden werden, wie stark sie neue Wohnungen oder Häuser verteuern müssen, um die Subvention für die Immobilienkäufer in die eigene Kasse zu leiten. Wie das verhindert werden könnte, lässt die Union in ihrem Programm leider offen.

Auch ist die Förderung nach der schieren Kinderzahl nicht sonderlich gerecht - auch kinderlose Paare oder Singles haben es derzeit schwer am Wohnungsmarkt, wenn sie sich Eigentum zulegen wollen. Warum will man denen nicht helfen?