Doch geschehen ist bislang nichts.

Nächstes Wochenende ist es wieder soweit. In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Uhren auf Sommerzeit eingestellt, also eine Stunde vorgedreht.

Vielen Bürgern, aber auch vielen Politikern ist das Prozedere seit Jahren ein Graus. 73 Prozent der Menschen in Deutschland sind gegen die Zeitumstellungen in Frühjahr und Herbst. Das ist das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit, die am Montag in Berlin veröffentlicht wurde.

Hört man sich im Bundestag um, finden sich in allen Fraktionen Gegner und Skeptiker. Eine davon ist die SPD-Parlamentarierin Ingrid Arndt-Brauer. Als die Umstellung 1980 eingeführt worden sei, sei es ums Energiesparen gegangen, so Arndt-Bauer zur RUNDSCHAU. "Das hat sich ja wohl nicht bewahrheitet."

Stimmt. Selbst die EU-Kommission musste schon vor Jahren einräumen, dass es - wenn überhaupt- nur geringfügige Energieeinsparungen gebe.

Ein klares "Nein" sagt dazu das Umweltbundesamt. Zwar knipsen die Bürger durch die Zeitumstellung im Sommer tatsächlich abends weniger häufig das Licht an - im Frühjahr und Herbst jedoch wird in den Morgenstunden dafür mehr geheizt.

"Die Umstellung bleibt ein Ärgernis", resümiert Arndt-Bauer. Auch aus anderen Gründen: Experten betonen schon lange, dass sich der Biorhythmus vieler Menschen, insbesondere der Kinder, erst einige Tage nach der Zeitänderung anpasst. Dauer-Müdigkeit ist die Folge. Aber nicht nur das: Wenn die Uhr anders tickt, leiden Tiere ebenfalls. Und angeblich soll die Zahl der Verkehrsunfälle an den Montagen danach deutlich höher sein.

Ohne Europa läuft in dieser Frage allerdings nichts. In Brüssel müsste sich für die europaweite Abschaffung eingesetzt werden, was die Bundesregierung zuletzt im November vergangenen Jahres abgelehnt hat.

Doch das letzte Wort ist diesbezüglich noch nicht gesprochen: So hat nach Informationen der RUNDSCHAU der Forschungsausschuss des deutschen Parlaments vor einigen Monaten dem Büro für Technikfolgen-Abschätzung des Bundestages den Auftrag erteilt, ein Gutachten über die Effekte der Zeitumstellung zu erstellen. Im Juni sollen erste Ergebnisse vorliegen. "Dann hoffe ich, dass die Debatte neuen Schwung bekommt", so Arndt-Bauer.

Bleibt die Frage, wie die CDU mit ihrem Anti-Beschluss weiter verfahren will. Initiator war damals der nordrhein-westfälische Kreisverband Rheinisch-Bergischer Kreis mit dem Europaabgeordneten Herbert Reul an der Spitze. Passiert sei noch nichts, sagt Reul der RUNDSCHAU. Die einen würden es auf Europa schieben, die anderen auf die Mitgliedstaaten. "Deshalb kommt es nicht voran. Die Verschieberei muss ein Ende haben."

Inzwischen hat Reul eine Anhörung im Europaparlament mit initiiert, an der drei Ausschüsse beteiligt sind und die heute stattfindet. "Damit kommt das Thema endlich wieder auf die Tagesordnung", so der CDU-Mann.