An Tag eins nach dem türkischen Ja zu Militäroperationen in Syrien melden die Staatsmedien in Damaskus verdächtige Bewegungen an der Grenze. Bewaffnete Gruppen aus der Türkei hätten versucht, in das syrische Dorf Chirbet al-Dschoos einzudringen, berichtet das staatliche Fernsehen am Freitag. Regierungstruppen hätten die "Eindringlinge" aber gestoppt und viele von ihnen getötet. Die meisten seien Ausländer gewesen, einer von ihnen türkischer Staatsbürger, heißt es weiter in dem Bericht.

Was genau im Grenzgebiet vorgefallen ist, bleibt unklar. Die Medienblockade des Regimes von Präsident Baschar al-Assad macht eine unabhängige Überprüfung solcher Berichte kaum möglich.

Doch aus den verschiedenen Meldungen von Augenzeugen, Aktivisten und auch der offiziellen Stellen lässt sich ein Bild zusammenfügen. Und demnach scheint nach der kurzzeitigen Ausweitung des Syrien-Konfliktes zu einer internationalen Krise in dem arabischen Land alles beim Alten zu sein: Der brutale Alltag geht weiter.

Die Opposition vermeldet Bombardierungen und heftige Kämpfe aus allen Ecken des Landes. Das Regime spricht weiter von einem Krieg gegen vom Ausland finanzierte Terroristen. Eine Rebellengruppe droht derweil mit der Tötung von 48 Iranern, die angeblich dem Assad-Clan als Söldner behilflich waren.

Inzwischen gibt es in dem Konflikt täglich mehr als 100 Tote, Hunderttausende Syrer sind auf der Flucht. Und ein Ende des seit fast 19 Monaten andauernden Aufstands ist nicht in Sicht.

Die Türkei sendet indes zwei Tage nach dem syrischen Angriff auf das türkische Grenzgebiet zögerliche Friedenssignale und zeigt sich bemüht, die Lage nicht weiter eskalieren zu lassen. Die scharf formulierten internationalen Reaktionen haben Ankara beschwichtigt. Die türkische Regierung signalisiert, dass sie die Erklärungsversuche des syrischen Regimes in Kontakten mit Russland und den Vereinten Nationen als Entschuldigung verstehen möchte.

Der UN-Sicherheitsrat hat einige Stunden zuvor den syrischen Angriff über die Grenze mit fünf Toten "in schärfsten Worten" kritisiert und die Assad-Truppen dafür verantwortlich gemacht.

Eine Reaktion aus Damaskus darauf gibt es zunächst nicht - die Syrer schweigen, fühlen sich ungerecht behandelt und warten weiter auf eine Verurteilung der jüngsten Anschlagsserie in der Metropole Aleppo mit vielen Toten durch die UN.

Die türkische Regierung wiederum ist mit den überlieferten Erklärungen des Nachbarn unzufrieden und will an einen technischen Fehler der Syrer beim Abfeuern von Granaten auf das türkische Grenzdorf Akcakale nicht so recht glauben.

Insgesamt habe es in der jüngsten Zeit sieben Angriffe auf türkisches Territorium gegeben, sagt Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, nachdem ihm das Parlament freie Hand für Militäreinsätze in Syrien gegeben hat. "Sie sagen, es war ein Unfall. Aber können Unfälle so häufig passieren?"

Regierungsnahe türkische Kommentatoren folgen am Freitag der offiziellen Lesart, wonach die Regierung mit der parlamentarischen Billigung von Militäreinsätzen in Syrien vor allem ein Instrument der Abschreckung in die Hände bekommen wollte, um dem syrischen Gewaltherrscher eine rote Linie zu demonstrieren.

Politiker der oppositionellen Republikanischen Volkspartei CHP und der Kurdenpartei BDP warnen dagegen, dass Erdogan nun die Weichen für einen Krieg gegen Syrien stellen könne.

Vor einem solchen Szenario hat vor Kurzem auch schon der UN-Sondervermittler für Syrien gewarnt.