Von Andreas Blaser

Die Idee liegt eigentlich nah. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) hat zum Medientermin eingeladen – nach Forst, ins dortige Kompetenzzentrum. Veranstaltungsbeginn 9.45 Uhr. Bei „VBB im Dialog“ soll es um den Bahn- und Busverkehr in der Lausitz gehen. Da könnte ich ja gleich den Praxistest machen, dachte ich mir, und mit Bus und Bahn zum Termin anreisen. Zumal es der VBB dem Reisenden einfach macht und auf seiner Internet-Seite zu den Dialogveranstaltungen gleich eine Funktion mit Karte anbietet, mit der man sich seine Anfahrt heraussuchen kann.

Als Startpunkt gebe ich den Standort meines Wohnhauses in Cottbus ein, Ziel ist das Forster Kompetenzzentrum in der Gubener Straße. Die Ankunftszeit stelle ich auf 9.30 Uhr. Etwas Verspätung sollte man bei Bus und Bahn ja immer einkalkulieren, und als Allerletzter muss ich auch nicht zum Termin einmarschieren. Nach dem Click auf den roten Suchen-Button erlebe ich die erste Ernüchterung. Damit ich pünktlich zum Termin komme, muss ich in Cottbus 7.37 Uhr losfahren, bin dann 8.45 Uhr in Forst am Kompetenzzentrum, eine Stunde vor dem Termin. Die nächste, vom VBB empfohlene Bus-Bahn-Kombi fährt erst zwei Stunden später, ist so auch zwei Stunden später, also 10.45 Uhr, in Forst. Für mich keine Alternative. Bleibt nur der frühe Start um 7.37 Uhr. Der VBB avisiert mir dafür eine Gesamtfahrzeit von 1:08 Stunden, dabei muss ich dreimal umsteigen und das Ganze soll mich 4,30 Euro kosten. Dreimal umsteigen ist blöd, aber Fahrzeit und Preis sind in Ordnung.

Als erstes Verkehrsmittel legt mir der VBB einen Bus ans Herz – von meinem Wohnhaus zu einer anderen Bushaltestelle. Fahrzeit eine Minute. Das Tolle dabei ist aber vor allem, dass es sich dabei um einen Rufbus, eine sogenannte Anruf-Fahrt, handelt. Dabei muss man sich unter einer angegebenen Telefonnummer für die Fahrt anmelden. Möglich ist das bis 30 Minuten vor Fahrtantritt. Welch ein Aufwand, für eine Minute. Die Haltestelle für den Rufbus inklusive entsprechender Hinweise auf das Angebot kannte ich zwar, hatte dort sogar schon Leute gesehen, die die Informationen dazu lasen. Einen Bus hatte ich dort aber im Laufe mehrerer Jahre noch nie gesehen. Aber immerhin wird im Winter, so es denn schneit und gefriert, die Haltestelle ordentlich freigemacht. Es könnte ja mal ein Reisender . . .

Wenn ich denn nun per langer Anruf-Fahrt die andere Bushaltestelle erreicht habe, muss ich sieben Minuten auf den Anschlussbus warten – ist okay –, fahre dann vier Minuten und bin am Cottbuser Spreewaldbahnhof. Dort erwartet mich laut VBB-Website ein siebenminütiger Fußmarsch über 445 Meter, ehe ich im Hauptbahnhof das Gleis 4 erreicht habe und – endlich – im Zug Richtung Forst sitze. Nach 18 Minuten geplanter Fahrzeit erreiche ich die Rosenstadt am Gleis 1. Ich wusste bisher nicht einmal, wo in Forst der Bahnhof ist – und weiß es auch heute noch nicht. Laut VBB müsste ich jetzt zum Busbahnhof 78 Meter zu Fuß bewältigen, für die fünf Minuten veranschlagt werden. Geht es da irgendwie steil bergauf oder muss ich zuvor den Bahnhof dreimal umrunden? Fünf Minuten für 78 Meter . . . 8.35 Uhr soll am Busbahnhof dann die Stadtlinie 855 losfahren und mich in zehn Minuten zum Kompetenzzentrum bringen. Dann bin ich genau eine Stunde zu zeitig an meinem Zielort.

Also setze ich mich etwa um 8.45 Uhr – wo ich mit dem VBB schon in Forst am Ziel gewesen wäre – ins Auto und erreiche hoffentlich nach einer Fahrzeit von einer knappen Dreiviertel Stunde die Gubener Straße, wo im Kompetenzzentrum der VBB über Perspektiven und Herausforderungen des Öffentlichen Personennahverkehrs informiert. Für 4,30 Euro fahre ich zwar – rechnet man Kraftstoff und Autoabnutzung – nicht von Cottbus nach Forst, und zurück muss ich auch noch, spare dafür aber deutlich Zeit. Und die ist bekanntlich auch Geld.