Auf dem Altmarkt will der Rektor der Technischen Universität nächsten Mittwoch ein Zeichen setzen. Ein großes internationales Gastmahl soll dort steigen für "Punker und Banker, Fleischesser und Veganer, Fußballfans und Volleyballfreaks". Rektor Hans Müller-Steinhagen ist mit einem eigenen Tisch dabei. Er will "einmal mehr zeigen, dass wir Menschen aus aller Welt hier in Dresden mit offenen Armen willkommen heißen". Was eigentlich so selbstverständlich ist, dass es hier schon fast platt klingt, hat einen konkreten Anlass: Pegida.

Die Montags-Demos der selbsternannten "patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands" sind zwar inzwischen auf lokales Querulanten-Maß geschrumpft. Doch unter dem unfreundlichen Nachhall der dort geäußerten Fremdenfeindlichkeit leidet der Wissenschaftsstandort Dresden noch Monate später. Müller-Steinhagen spricht von einer "nachhaltigen Image-Schädigung Dresdens über alle Grenzen hinweg", die sein Haus zu spüren bekomme. Die Bemühungen um einen festen Platz im internationalen Wissenschaftsbetrieb "gestalten sich deutlich schwieriger", so der Rektor.

Ein Riesenproblem für die TU, die 2012 als erste ostdeutsche Uni das Exzellenz-Siegel bekam. Dabei studieren und forschen immer mehr Menschen aus anderen Ländern an der Uni. Von insgesamt 37 000 Studierenden und knapp 8000 Mitarbeitern auf dem Dresdner Campus kommen etwa 5000 aus dem Ausland. In Summe ist das eine internationale Community, die knapp zehn Prozent der Stadt Dresden ausmacht.

Das Ausmaß der Rufschädigung durch Pegida lässt sich bislang nicht in Zahlen fassen. Über konkrete Fälle von Studis oder Wissenschaftlern, die wegen des Klimas in der Stadt lieber weg blieben, ist weder bei der TU noch beim Dresdner Wissenschaftsministerium etwas zu erfahren.

Die Wissenschaftler waren die Ersten, die im Dezember eine gemeinsame Front gegen die Pegida-Demonstrationen zustande brachten. Zusammen mit Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) verfassten die Institutsleiter eine Erklärung für Weltoffenheit und Toleranz, die Kultureinrichtungen zogen mit der Aktion "Weltoffenes Dresden" nach. "Wir sind extrem betroffen und die Demonstrationen haben uns auch betroffen gemacht", so die Ministerin. "Wir haben, glaube ich, die meisten Ausländer in unseren Institutionen. In den sächsischen Max-Planck-Instituten arbeiten 60 Prozent Ausländer, an den Hochschulen haben wir etwa 20 Prozent ausländische Studierende." Entsprechend groß war dort der Schock, als im Januar die Pegida-Demos rund 25 000 Leute auf die Straße brachten.

Die TU steuert nun gegen mit offensiver Umarmung. Damit sich die internationalen Top-Wissenschaftler trotz allem zu Hause fühlen an der Elbe, haben Uni und Stadt gemeinsam ein "Welcome Center" eingerichtet. Wer kommt, wird unterstützt bei der Wohnungssuche, bei Kinderbetreuung oder Behördengängen. Die Betreuung geht bis zur Jobfindung für den Ehepartner.