Die Kassen in Griechenland sind fast leer. Wie reagieren die Europartner?
Sie halten sich strikt an die Regeln des bis Ende Juni verlängerten zweiten Hilfspakets. Das bedeutet: Bevor noch bereitstehende Milliardenhilfen fließen, muss der Abschluss des umstrittenen Rettungsprogramms bestätigt werden.

Gibt es einen Zeitplan?

Ja. Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem will einen Abschluss bis Ende April. Es ist noch viel Arbeit zu tun, denn die Athener Regierung von Linksradikalen und Nationalisten will Änderungen bei den Reformen. Die Linie von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker lautet: Falls Sparmaßnahmen zugunsten von armen Bürgern abgeschwächt werden, muss es dafür Ersatz geben, damit die Rechnung am Ende stimmt.

Kommt das Krisenland bis April finanziell über die Runden?
Darüber fehlt Klarheit. "Wie es genau aussieht, wissen wir nicht", resümiert Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mit Blick auf die Finanzlage. Er und seine Amtskollegen haben zumindest die Zusicherung, dass Athen seinen Schuldendienst fristgerecht erfüllen wird.

Am heutigen Mittwoch reden Experten Athens und der Geldgeber wieder miteinander. Ist das der Weg aus der Sackgasse?
Das wird sich zeigen. Finanzminister Gianis Varoufakis sichert zu, dass die Geldgeber alle nötigen Informationen erhalten werden. Die Gespräche sind zwar in Brüssel geplant, doch "technische Teams" sollen auch nach Athen reisen.

Kehrt die Troika zurück?
Die bisherigen "Troika"-Institutionen EU-Kommission, Europäische Zentralbank (EZB) und Internationaler Währungsfonds (IWF) sind weiter im Spiel. Denn es geht immer noch um das alte Hilfsprogramm. Minister Varoufakis geißelt die Troika als eine "Verschwörung von Technokraten", die sich wie Kolonialherren aufgeführt hätten. Um den Reizbegriff "Troika" zu umgehen, spricht man inzwischen vom "Trio" oder den "Institutionen". Frankreichs Ressortchef Michel Sapin bilanziert: "In der Politik zählen Worte."

Wie ist die Stimmung in der Eurogruppe?
Gereizt. Gefürchtet werden vor allem Querschüsse aus Athen, die nichts mit Absprachen in diesem mächtigen Brüsseler Gremium zu tun haben. Sehr unangenehm stieß beispielsweise die Äußerung von Verteidigungsminister Panos Kammenos auf, notfalls Zehntaussende Flüchtlinge in andere EU-Staaten weiterzuschicken, darunter möglicherweise auch Terroristen.

Ist ein drittes Hilfspaket Thema?
Die Eurogruppe will erst einmal das alte Programm abschließen - das sei schon schwierig genug. Der Finanzbedarf ist zudem unklar. Spaniens Ressortchef Luis de Guindos schätzt, dass etwa 30 bis 50 Milliarden Euro für ein neues Paket nötig sind. Es gibt erhebliche Widerstände, frisches Geld in die Hand zu nehmen - nicht nur in nördlichen Mitgliedstaaten, sondern auch in den früheren Krisenländern Irland, Spanien und Portugal.

Ein Interview mit Griechenland-Sonderbot-

schafter Jorgo Chatzimarkakis (FDP) auf lr-online.de