Es braucht nur einen Tastendruck - und schon ist der Kilometerstand niedriger und der "Gebrauchte" kann viel teurer verkauft werden. Genau deshalb ist der Gebrauchtwagenkauf auch Vertrauenssache. Einer aktuellen Tüv Rheinland-Studie zufolge ist dieses Vertrauen bei vielen Käufern und Verkäufern erschüttert - zumindest, wenn es um den Kilometerstand geht.

Die Tacho-Täuschung aber tatsächlich nachzuweisen, ist auch für Prüforganisationen wie die Dekra nicht immer möglich, sagt Olaf Draheim, Leiter der Abteilung Schadengutachten bei der Dekra Dresden. "Die Elektronik ist so unterschiedlich, dass ein normales Auslesegerät nicht immer ausreicht, um den Kilometerstand zu ermitteln." Dann übernimmt die Markenwerkstatt, der die neueste Software zur Verfügung steht oder gar der Hersteller. Damit solch eine aufwendige Tacho-Prüfung gar nicht erst nötig wird, sollten Käufer bei der Sichtung ihres neuen Gebrauchtwagens bestimmte Indizien im Blick haben.

Innenraum und Papiere prüfen

Ein stark verschlissener Innenraum, der nicht zur geringen Kilometerzahl passen will, zählt dazu. Ein Blick ins Auto kann aber nicht immer Sicherheit geben: "Stark abgenutzte Pedalgummis könnten für zehn Euro erneuert worden sein", sagt Olaf Draheim. Das kann auch auf andere Bauteile wie das Lenkrad zutreffen.Ein Blick ins Inspektionsheft bringt da schon sicherer Klarheit: Lückenlos geführt sind dort alle Reparaturen und Hauptuntersuchungen mitsamt der jeweiligen Kilometerstände zu finden. Fehlt dieses Heft, sollte man auf die Vorlage von HU-Berichten und Reparatur-Rechnungen bestehen. Kann der Verkäufer diese nicht vorlegen, ist ein Kauf nicht ratsam. Auch der Ölwechselaufkleber kann Hinweise auf Manipulationen liefern. Denn wenn das Öl laut Kleber bei 180 000 Kilometern ausgetauscht werden muss, der Tacho 100 000 Kilometer zeigt, stimmt etwas nicht. In der Regel steht der Ölwechsel spätestens alle 30 000 Kilometer an. Die wenigsten Bedenken müssen Käufer bei Wagen jüngeren Baujahrs haben: "Die Wahrscheinlichkeit einer Manipulation bei Autos zwischen drei und fünf Jahren, die bei einem Händler inklusive Checkheft angeboten werden, ist sehr gering", sagt der Dekra-Gutachter Draheim.

Im Zweifel können Interessenten auf einen Gebrauchwagencheck bestehen. Neben der Dekra bieten diese Inspektionen auch Werkstätten, der ADAC sowie der Tüv an. Innenraum, Motor, Getriebe, Unterboden, Abgas- und Bremsanlage sowie Räder und Achsen werden dabei genau unter die Lupe genommen.

Mehr Schutz für Käufer

Die Täuschungen mit gefälschten Tachodaten sind auch Mechthild Heil, MdB und Verbraucherschutzbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, schon lange ein Dorn im Auge. Die Abgeordnete machte deutlich: "Tachomanipulation ist kein Kavaliersdelikt, daher müssen wir die Strafen im Betrugsfall deutlich erhöhen. Wir wollen Kunden und Verkäufer besser schützen, indem wir die Möglichkeiten schaffen, die gesammelten Kilometerstände bei Hauptuntersuchung, Reifenwechsel oder Panne freiwillig in eine Datenbank einzuspeisen, ähnlich wie es heute schon in Belgien passiert."

Tachobetrug eindämmen

Für mehr Klarheit auf dem Gebrauchtwagenmarkt will der Branchenspezialist arvato Financial Solutions sorgen. "Unser Ziel ist es, mehr Sicherheit für Käufer und Verkäufer zu schaffen. Wir leisten damit einen Beitrag, fingierte Kilometerstände zu identifizieren, Tachobetrug einzudämmen und damit den Gebrauchtwagenkauf transparenter zu gestalten", sagte Dr. Frank Schlein, Geschäftsführer Risk Management bei arvato Financial Solutions. Um Betrügereien und wirtschaftliche Schäden aus Kilometerzählermanipulationen zu minimieren, ist es das Ziel, Kilometerstände über die Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) zu checken. Für jedes Kraftfahrzeug soll zukünftig vom Verkäufer abfragbar sein, welchen Kilometerstand es zu einem bestimmten, gespeicherten Zeitpunkt hatte. Die Kilometerstände sollen bei Versicherungen, Prüfgesellschaften und weiteren Partnern eingeholt werden. "Da der Datenschutz oberste Priorität hat, wird eine solche Lösung nur mit der Einwilligung des Verkäufers möglich sein", bekräftigte Dr. Schlein.