Gezeigt wurde aber ein ganz anderes Programm, ich drehte den Ton ab. 20.45 Uhr - mein Wunschfilm lief noch immer nicht. Stattdessen sah ich Bilder von Menschengedränge, aufgeregte Gesichter. Irgendwas war passiert. Aber was? Und vor allem wo? Ich drehte den Ton an - und der Film begann. Wie blöd. Ich war verwirrt. Nur wenige Minuten später Programmunterbrechung, es gab noch mehr Bilder von Menschen, die dicht an dicht irgendwo hindrängten, von Menschen, die weinten, die lachten, die staunten. Ich war noch verwirrter, das Gedankenkarussell startete: Ist das hier? In Berlin? In meiner Nachbarschaft? Das ist doch die Mauer? Ist die etwa auf?? Unfassbar!! Ich rief meinen Freund an: "Du, die Mauer ist auf." "Quatsch!" "Doch, wirklich - lass uns zur Invalidenstraße gehen." Gegen 23 Uhr waren wir am Grenzübergang dort. Hunderte Menschen, unbeschreibbare Emotionen. Ich empfand die Szenerie als surreal, unbegreiflich.

Der Tag hat sich eingebrannt, beinahe jede Minute. Seit 1992 arbeite ich im "Osten". Und ich fand es von Anfang an großartig. Großartig, diese Revolution miterlebt haben zu dürfen und das Zusammenwachsen der beiden Länder. Das macht mich glücklich - noch heute.