Es ist die Stunde des scheuen Malers, der offensichtlich kurz vor seinem 80. Geburtstag im Februar den Zenit seiner Karriere erreicht. "Richter ist einer der bedeutendsten Künstler weltweit", sagt sein Biograf und Leiter des Gerhard-Richter-Archivs, Dietmar Elger. Andere Künstler hörten nach fünf Jahren mit ihrem Schaffen auf. Die Arbeit des in Köln lebenden Richter umfasse dagegen Jahrzehnte. "Richter hat sich auf hohem Niveau immer erneuert - spannend und kontrovers", sagt Elger.

Bei der New Yorker Auktion von Sotheby's erzielten drei seiner Werke Summen im zweistelligen Millionenbereich. Den höchsten Preis brachte ein verwischtes Werk mit dem Titel "Abstraktes Bild - 849-3" in dunklen roten und blauen Farben ein. Das Bild mit dem Titel "Gudrun" (1987), das an die frühere Terroristin der Roten-Armee-Fraktion (RAF) Gu drun Ensslin erinnern soll und aus dem Zyklus "18. Oktober 1977" stammt, erreichte 13 Millionen Euro.

Die renommierte Tate Modern in London würdigt Richter derzeit mit einer großen Retrospektive. Im kommenden Jahr wandert die Panorama-Schau in die Neue Nationalgalerie in Berlin und weiter ins Pariser Centre Georges Pompidou. Im Ranking der britischen Zeitschrift "Art Review" zu den weltweit einflussreichsten Kulturschaffenden schafft es Richter aktuell auf Platz 11. Im Vorjahr rangierte er noch auf Nummer 55. Selbst auf die Kinoleinwand hat er es geschafft. Der Dokumentarfilm "Gerhard Richter Painting" von Corinna Belz läuft seit September.

Der Vorsitzende des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler, Werner Schaub, lobt Richter ebenfalls in hohen Tönen. "Er ist eine Weltmarke", sagt er. Trotzdem würde er dem Hype gerne einen Riegel vorschieben - zumindest in den Auktionshäusern.