Boliviens Staatschef Evo Morales wird allen Umfragen zufolge für eine dritte Amtszeit wiedergewählt. Das anhaltende Wirtschaftswachstum unterstützt die Ausstrahlung des ersten Indio-Präsidenten auf breite Bevölkerungsschichten. Bei der Präsidentenwahl am kommenden Sonntag (12. Oktober) kandidieren auch vier Oppositionskandidaten. Sie haben nach Umfragen nicht einmal eine Aussicht, eine Stichwahl gegen Morales zu erzwingen.

Der 54 Jahre alte Morales ist seit 22. Januar 2006 Präsident in Bolivien. Nach einer Umfrage der Zeitung "El Deber" liegt er mit 59 Prozent in der Wählergunst vorn. Der Unternehmer Samuel Doria Medina folgt an zweiter Stelle mit 18 Prozent. Der christdemokratische Ex-Präsident Jorge Quiroga kommt auf 9 Prozent und der Ex-Bürgermeister von La Paz Juan del Granado auf 3 Prozent. Den Kandidaten der Grünen Partei, Fernando Vargas, unterstützen nur 2 Prozent der Befragten.

Morales könnte in dem traditionell politisch instabilen Andenland einen Rekord brechen - als Präsident mit der längsten Amtszeit. Andrés de Santa Cruz, einer der Staatsväter Boliviens, hatte zehn Jahre lang von 1829 bis 1839 regiert.

Morales empfindet sich ebenfalls als Staatsgründer. Mit der Annahme der neuen Verfassung von 2009 wurde beispielsweise die Eigenständigkeit der indigenen Bevölkerung im Grundgesetz verankert.

Vor dieser Wahl gibt es keine so starke Polarisierung wie bei den Wahlen von 2009. Damals führten die reichen Departements im östlichen Flachland - Santa Cruz, Beni, Pando und Tarija - einen harten Kampf gegen den Staatschef. Die lokalen Politiker forderten mit aktiver Unterstützung der vorwiegend weißen Unternehmer, der Region eine autonome Verwaltung der Einnahmen aus Erdöl- und Gasvorkommen zu gewähren.

Morales verstand es, in die neue Verfassung einige der Autonomieansprüche aufzunehmen, ohne die Kontrolle über die in seiner ersten Amtsperiode verstaatlichten Bodenschätze zu verlieren. In den letzten Jahren kam hinzu, dass die Regierung trotz ihrer sozialistischen Rhetorik ausländische Investoren ins Land locken konnte.

Die Rating-Agentur Fitch hat in den letzten Jahren Bolivien von B- bis auf BB- mit positiver Aussicht aufgestuft. Neue Verstaatlichungen seien ausgeschlossen, versichert die Regierung. Bei dem stark wachsenden Bruttoinlandsprodukt von voraussichtlich über 5 Prozent im laufenden Jahr und 6,8 Prozent im Vorjahr können sich alle Seiten auf ihre Gewinne freuen. Dies hat die vor allem regional ausgerichtete Opposition geschwächt.

Morales strebt im Fall eines erneuten Wahlsieges an, dass mehr Bodenschätze und Naturressourcen in Bolivien verarbeitet werden. Gas könnte beispielsweise in Elektrizität umgewandelt und in Nachbarländer exportiert werden. Und die Lithiumvorkommen sollen ab 2015 mit japanischen Investitionen zur Herstellung von Batterien genutzt werden.

Sogar in der Drogenbekämpfung hat der ehemalige Gewerkschafter der Koka-Bauern Lob von der UN-Drogenbehörde UNODC bekommen - obwohl er auf eine Zusammenarbeit mit der US-Anti-Drogenbehörde DEA verzichtet und das Kauen von Kokablättern weiter legal lässt. Die Anbaufläche sei in den vergangenen drei Jahren um 26 Prozent geschrumpft, heißt es in dem letzten UNODC-Bericht.