Für die nach 1990 jährlich vorgenommene Untersuchung "zur sozialen Lage in den neuen Bundesländern" befragten die Autoren im August und September vergangenen Jahres insgesamt 1360 Ostdeutsche. Ergebnis: Nur ein Prozent der Befragten fand Ost- und West bereits "weit gehend zusammengewachsen", gerade einmal sechs Prozent wollten "nur noch geringe Unterschiede" erkennen.
Gut jeder Zweite (55 Prozent) sah dagegen noch "relativ große Unterschiede" zwischen Ost und Westdeutschland. 15 Prozent gingen gar von "größer werdenden Unterschieden" in der Zukunft aus, und fast ein Viertel der Befragten (22 Prozent) nahm an, dass es auch in einem halben Jahrhundert noch "gravierende Unterschiede" geben wird.
Gleichwohl bewerteten der Studie zufolge 36 Prozent die Einheit für sich vorrangig als Gewinn. 30 Prozent sahen für sich Gewinne und Verluste, weitere 30 Prozent überwiegend Verluste.

Ein düsteres Bild
Ohnedies zeichnet der "Sozialreport 2004" ein recht düsteres Bild. "Die subjektiven Befindlichkeiten der Bürger der neuen Länder zeichnen sich durch eine zunehmend hohe Zukunftsverunsicherung und sich erheblich verschlechternde Bewertungen ihrer gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage sowie der allgemeinen Lebenszufriedenheit aus", erläuterte SFZ-Geschäftsführer Gunnar Winkler bei der Vorlage des Datenwerks.
Immerhin zeigten sich dennoch 40 Prozent mit ihrem Leben "alles in allem zufrieden" - drei Prozent davon sogar "sehr zufrieden". Weitere 41 Prozent waren zumindest "teilweise zufrieden", während sich 18 Prozent "unzufrieden" fühlten, davon vier Prozent "sehr unzufrieden".
Damit sei die "bislang schon geringe Zufriedenheit" nochmals deutlich zurückgegangen, bilanzierte Winkler - 1999/2000 gaben noch insgesamt 59 Prozent an, "zufrieden" oder "sehr zufrieden zu sein". Dabei sei die sinkende Zufriedenheit nicht etwa "Ausdruck inzwischen gewachsener, aber nicht befriedigter Ansprüche", sondern reflektiere "reale Wohlstandsverluste".
Entsprechend fielen auch die Beurteilungen der eigenen wirtschaftlichen Situation aus: Lediglich zwei Prozent der Befragen bezeichneten ihre Wirtschaftslage als "sehr gut". "Gut" gaben 28 Prozent an und 40 Prozent "teils gut, teils schlecht". 22 Prozent schätzten ihre ökonomische Situation als "schlecht" ein, acht Prozent sogar als "sehr schlecht".

Negativtrend gegenüber 1998
Im Vergleich zur Situation vor fünf Jahren stellte laut Winkler fast jeder zweite Befragte (rund 45 Prozent) eine Verschlechterung seiner Wirtschaftslage fest, während lediglich 13 Prozent eine Verbesserung sehen.
Optimistisch blickt nur eine Minderheit in die Zukunft, nämlich gleichfalls 13 Prozent, die für die kommenden fünf Jahre mit einer Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage rechneten. Gut jeder Dritte (35 Prozent) ging dagegen von Verschlechterungen aus, 23 Prozent erwarteten keine Veränderungen.
Wie weit der Weg zur inneren Einheit noch ist, zeigt ganz entscheidend auch die Frage nach der Identifikation der Ostdeutschen mit der Bundesrepublik. Nur 20 Prozent gaben dabei an, sich als "richtige Bundesbürger" zu empfinden.
Knapp zwei Drittel (65 Prozent) fühlten sich zwar in der Bundesrepublik noch nicht "richtig wohl", sahen aber in der DDR freilich auch keine erstrebenswerte Alternative. Die wünschte sich nur gut jeder Zehnte zurück - genau elf Prozent entschieden sich für die Antwort: "Als Ostdeutscher möchte ich am liebsten die DDR wiederhaben."