Der Geschäftsmann Dmitri Kowtun leide an Versagen der inneren Organe Leber, Nieren und Magen durch die radioaktive Substanz Polonium 210, sagten Ärzte gestern der russischen Nachrichtenagentur Interfax.
Kowtun sei nach der Befragung durch russische und britische Ermittler kurzzeitig ins Koma gefallen, bestätigten Ärzte der Agentur Interfax. Die russische Justiz stuft Kowtun als Opfer einer Vergiftung, nicht als möglichen Mittäter bei einem Mordanschlag ein.
Ermittler von Scotland Yard befragten in Moskau nach mehrtägigem Warten auch den Hauptzeugen Andrej Lugowoj, einen früheren Mitarbeiter des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB und jetzigen Geschäftsmann. Auch bei Lugowoj wurden nach inoffiziellen russischen Angaben Schäden an inneren Organen durch Verstrahlung festgestellt.
In London rief die Gesundheitsbehörde gestern etwa 250 Gäste einer Bar des Hotels "Millennium" zu einer vorsorglichen Untersuchung auf Polonium auf. Sie hatten die Bar am 1. November besucht, als sich der Kreml-Kritiker Litwinenko dort mit Kowtun, Lugowoj und einem weiteren Russen traf.
Nach neuen Erkenntnissen der britischen Polizei wurde der abtrünnige Geheimagent mutmaßlich in dieser Bar mit Polonium vergiftet. Der tödliche Cocktail sei in einem Zimmer im vierten Stock des Hotels vorbereitet worden, wo die höchste Konzentration des Stoffes gefunden worden sei, berichtete die Zeitung "The Times" nach diesen Angaben. Bei sieben Hotelangestellten, die in der Bar Dienst taten, waren bereits Spuren des radioaktiven Substanz entdeckt worden. Für ihre Gesundheit bestehe keine unmittelbare Gefahr, sagte ein Sprecher der Gesundheitsbehörde.
In allen drei Londoner Hotels, in denen sich Lugowoj seit Mitte Oktober aufhielt, sind mittlerweile Spuren von Polonium gefunden worden. Litwinenko war nach drei Wochen Krankheit am 23. November an der Strahlenkrankheit gestorben. (dpa/roe)