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Die SPD und ihre Familienarbeitszeit

Berlin. Alle Parteien haben in ihren Wahlprogrammen markante und zum Teil auch ungewöhnliche Ideen parat, die wir in dieser Serie testen. Heute: die Familienarbeitszeit der SPD. Stefan Vetter

Die Idee: Heute ist es so, dass die in aller Regel besser verdienenden Väter nach kurzer Elternzeit voll in ihre Jobs zurückkehren, obwohl sie gern etwas weniger arbeiten würden, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Mütter hingegen steigen oft nur in Teilzeit wieder ins Erwerbsleben ein, obwohl sie gern etwas mehr arbeiten würden. Dem will die SPD mit der Einführung der "Familienarbeitszeit" und des "Familiengeldes" gerecht werden. Demnach sollen beide Eltern bis zu zwei Jahre lang ein Familiengeld in Höhe von jeweils 150 Euro, also zusammen 300 Euro im Monat erhalten. Bedingung: Beide Partner müssen jeweils zwischen 75 und 90 Prozent ihrer regulären Vollzeit arbeiten. Das wären 26 bis 36 Wochenstunden. "Gerade Familien mit kleinen Einkommen sollen sich eine gerechte Aufteilung von Familie und Beruf leisten können", heißt es dazu im SPD-Wahlprogramm.

Der Haken: Obwohl die gleichmäßige Aufteilung von Erwerb und Familie für viele junge Eltern ein Idealbild ist, haben nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nur rund 1,5 Prozent aller Paare mit Kindern im Alter von zwei bis drei Jahren beide eine Arbeitszeit zwischen 28 und 32 Stunden pro Woche gewählt. Fragt sich, wie viele künftig von der SPD-Idee Gebrauch machen könnten.

Die Bewertung: Mit der Familienarbeitszeit haben die Sozialdemokraten schon im Jahr 2013 Wahlkampf gemacht. Damals aber noch zu anderen Konditionen. Verwirklicht wurde sie nicht, was am Widerstand der Union lag. Grundsätzlich handelt es sich um eine gute Idee. "Die finanzielle Leistung daran zu knüpfen, dass tatsächlich beide Partner ihre Arbeitszeit einschränken und praktisch nicht nur die Frau, hat sich auch schon beim Elterngeld bewährt", erläutert die DIW-Expertin Katharina Wrohlich. Bevor die Vätermonate im Rahmen des Elterngeldes eingeführt wurden, haben weniger als drei Prozent der Väter Elternzeit genommen. Im Zuge dieser Maßnahme sind es inzwischen schon ein Drittel der Väter, die wenigstens zwei Monate lang für ihr Kind daheimbleiben.

Fazit: "Solche Reformen wirken nicht nur über die finanziellen Anreize. Sie verändern auch soziale Normen", lobt DIW-Expertin Wrohlich. Demnach könnte das Familiengeld mittel- bis langfristig ähnlich gut funktionieren wie das Elterngeld. Ein Arbeitszeitkorridor zwischen 75 und 90 Prozent birgt allerdings auch die Gefahr, dass der Mann seinen Job kaum reduziert. Hier müsste die SPD noch nachsteuern.