Es bleibe beim alten Zeitplan, die Entscheidung erst Anfang 2017 zu treffen, sagte er am Rande eines Landesparteitages in Thüringen. Dass Merkel sich nun erklärt habe, "heißt nichts für die SPD". Heißt es doch. So fand zum Beispiel der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann, auch Gabriel müsse nun erklären, ob er als Kanzlerkandidat zu Verfügung stehe. "Wir benötigen jetzt auch Klarheit bei der SPD", so Hoffmann. Problematisch für die Genossen ist nicht nur der wachsende Erwartungsdruck. Sondern auch, dass die Spekulationen ins Kraut schießen. Am Donnerstag dementierte die Parteizentrale bereits, Schulz habe die Kanzlerkandidatur zu Bedingung für die eventuelle Übernahme des Außenministeriums gemacht. Am Sonntag musste man die Meldung zurückweisen, Gabriel wolle sein Ministeramt abgeben, um sich ganz auf den Wahlkampf konzen-trieren zu können. "Nichts dran", hieß es. Die Geschichten werden offenbar aus dem Innern der SPD gespeist, wo manch einer sein eigenes Süppchen kocht. Das dürfte so weitergehen, bis die Entscheidung feststeht.

Vor Merkel selbst ist der SPD angeblich nicht allzu bange. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann glaubt, dass Merkel "nicht mehr unschlagbar" sei. "Die Bundestagswahl ist offen". Immerhin bot Oppermann der Union an, in der nächsten Zeit in der Großen Koalition weiter konstruktiv zusammenzuarbeiten. "Bis zu Beginn des Wahlkampfes erwarten die Bürger zu Recht, dass wir das Land gut regieren." Die Auseinandersetzung soll also nicht sofort beginnen.

Eher nach Wahlkampfmodus klangen die Stellungnahmen der Opposition. Linken-Parteichef Bernd Riexinger sagte Stillstand in Deutschland voraus, falls Merkel noch einmal Kanzlerin werde. "Es droht erneut eine große Koalition und damit ein ,Weiter so' der Politik der sozialen Spaltung."

Die Grünen kündigten einen harten Wahlkampf an. "Wir freuen uns auf eine harte politische Auseinandersetzung, in der wir zeigen werden, wie wirksamer Klimaschutz und gesellschaftlicher Zusammenhalt funktionieren können", sagte Grünen-Chef Cem Özdemir.

Dem FDP-Vorsitzenden Christian Lindner ist Merkel zu "angegrünt", wie er sagte. "Die Union zieht ihren letzten Trumpf und weiß nicht, ob er noch sticht".