Und die Münchner Sicherheitskonferenz am kommenden Wochenende ist die erste wirkliche Gelegenheit herauszufinden, ob der Wechsel im Weißen Haus möglicherweise eine politische Zeitenwende bedeutet: ein politisches Abtasten zwischen Ost und West, aber auch innerhalb des Westens. Washington - Moskau Alle Augen werden sich in München auf den neuen US-Vizepräsidenten Joe Biden und den russischen Vize-Regierungschef Sergej Iwanow richten: Der Kälte- oder Wärmegrad der Beziehungen zwischen Washington und Moskau ist von entscheidender Bedeutung für den Rest der Welt, Europa eingeschlossen. Russland hat mit dem vorläufigen Verzicht auf die Installation von Kurzstreckenraketen des Typs "Iskander" positiv auf ein Zeichen Obamas reagiert. Der neue US-Präsident will erst einmal prüfen, ob die von seinem Vorgänger George W. Bush in Auftrag gegebene Stationierung eines Raketenabwehrsystems in Tschechien und Polen überhaupt sinnvoll ist. Nato-Diplomaten in Brüssel sagen, das Bündnis wolle Zusammenarbeit mit Moskau. Sie begrüßen den neuen "kooperativen Ton" in Washington, warnen aber vor Euphorie. Mit seinem militärischen Vorgehen gegen den Nato-Beitrittskandidaten Georgien im vergangenen August habe Russland sich aggressiv auf der internationalen Bühne bewegt. Obama habe jedoch bessere Chancen als Bush, Moskaus Angst vor einer mit dem Beitritt Georgiens und der Ukraine näher rückenden Nato zu lindern. Afghanistans Präsident Hamid Karsai gehört zu den zahlreichen prominenten Gästen in München, weil sein Land die größte militärische, aber auch politische Herausforderung der Nato ist. In der Nato ist im vergangenen Jahr die Unzufriedenheit mit Wesen und Wirken Karsais spürbar gewachsen: "Wir haben das Recht, mehr Effizienz und mehr konkrete Fortschritte im Kampf gegen Korruption zu verlangen", wetterte De Hoop Scheffer kürzlich. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy kann sich in der bayerischen Landeshauptstadt nicht nur schon im Voraus für die erst im April bevorstehende Rückkehr seines Landes in die Militär integration des Bündnisses feiern lassen. Vor allem dürfte er Russland und die USA aufrufen, gemeinsame Sache mit den Europäern bei einem neuen Versuch zur Entschärfung des Nahost-Konflikts und beim Kampf gegen den Klimawandel zu machen. Prioritäten für Obama Beide Themen hat Obama unmittelbar nach Amtsübernahme zu Prioritäten erklärt, beide haben direkt oder indirekt auch Folgen für die globale Sicherheit. Nun geht es darum, ob und wie aus Worten Taten werden können.