Die Zahl der Infektionen nimmt wieder zu, und zwar fast ausschließlich in dieser Gruppe. 3000 HIV-Infizierte werden in diesem Jahr neu registriert, darunter 2400 Männer. Warum? „Niemand weiß es genau“ , antwortete Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) gestern ziemlich ratlos.
Die Zahlen zur Ausbreitung der Immunschwächekrankheit im Jahr 2007 wurden gestern vom Robert-Koch-Institut vorgelegt, rechtzeitig zum Welt-Aids-Tag am nächsten Samstag. Nach diesen Angaben leben in Deutschland insgesamt 59 000 Menschen mit dem HI-Virus, davon 49 000 Männer, 10 000 Frauen sowie 350 Kinder. 9500 der Infizierten sind akut an Aids erkrankt. Hauptinfektionsweg ist mit 72 Prozent nach wie vor der (ungeschützte) Geschlechtsverkehr zwischen Männern. Heterosexuelle Kontakte machen 20 Prozent aus, Drogengebrauch sieben Prozent.
Seit Beginn der Epidemie vor rund 25 Jahren sind in Deutschland insgesamt rund 27 000 Menschen an der Immunschwächekrankheit ge storben.

Trugschluss Medikamente
Während die Infektionsraten bei allen anderen Gruppen in diesem Jahr gleich blieben, stiegen sie unter Homosexuellen erneut an, diesmal um fünf Prozent. Dieser Trend existiert schon seit dem Jahr 2000. Die neue Sorglosigkeit, so erläuterte die Ministerin, hat offenbar auch mit dem Erfolg medikamentöser Therapien zu tun. Viele Betroffene setzen darauf, dass die Zahl der HI-Viren wegen der Medikamente stark sinkt und glauben, nicht mehr so infektiös zu sein. Das ist oft ein Trugschluss. Wenn bei dem Partner zum Beispiel eine Geschlechtskrankheit ausgebrochen ist, kann dieser sich gleichwohl leicht anstecken. Mit neuen Kampagnen wollen Gesundheitsministerium und Aids-Hilfe diese Gruppe nun massiv ansprechen. Die Mittel dafür wurden um 3,4 Millionen Euro auf insgesamt 12,2 Millionen Euro aufgestockt.

Jugendliche nutzen Kondome
Zweite Zielgruppe der Aufklärung sind Migranten, die mit rund 25 Prozent der Infizierten weit überproportional betroffen sind. In dieser Gruppe sollen besondere Formen der Ansprache gefunden werden, um kulturelle Schranken zu überwinden.
Unter Jugendlichen hat sich - ein erfreulicher Trend - nach Erkenntnissen der Behörden inzwischen herumgesprochen, dass ungeschützter Sex gefährlich sein kann. 68 Prozent benutzten inzwischen regelmäßig Kondome, elf Prozent mehr als dies vor zehn Jahren der Fall war.
Schmidt warnte: Aids sei nach wie vor nicht heilbar. Und die Therapie bedeute eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität. Jeder müsse „Verantwortung für sich und andere“ wahrnehmen. Daran appellieren auch die mehr als 2000 „Botschafter“ der Anti-Aids-Kampagne. Prominente Aushängeschilder sind in diesem Jahr Fußballer Philipp Lahm, Eisschnellläuferin Anni Friesinger, die Schauspielerin Christiane Paul und Rapper Samy Deluxe. Er hat eigens zum diesjährigen Welt-Aids-Tag ein Lied für all jene produziert, die die Nacht durchtanzen und hinterher nicht allein nach Haus gehen: „Krank in the Club“ heißt es.