Die ersten weißen Köpfe haben sich bereits durch das Erdreich gekämpft. Die milden Temperaturen und der Sonnenschein der vergangenen Tage haben den heimischen Spargel ordentlich sprießen lassen. In dieser Woche konnten in der Lausitz die ersten Stangen des begehrten Gemüses bereits geerntet werden.

Das freut nicht nur die Bauern. Auch Fans des Edelgemüses haben bereits auf den Saisonstart gelauert. Denn serviert zu Schnitzel oder gegarter Zunge, mit brauner Butter oder als cremige Suppe ist Spargel für Feinschmecker ein Genuss. "Ich habe den ersten Spargel bereits gegessen. Da war das Schnitzel glatt Nebensache", sagt Patrick Franke, Betriebsleiter bei Spreewaldbauer Ricken in Vetschau (Landkreis Oberspreewald-Lausitz).

Doch noch werden keine großen Mengen geerntet. Bei etwa zwölf Grad Celsius Bodentemperatur beginnen die Stangen zu wachsen. Viel Sonne und milde Temperaturen sind dafür notwendig. "Drei bis vier Stunden Sonne am Tag sind ideal", erklärt Patrick Franke. Mit mehreren Lagen Folie wird dem Spargel zusätzlich eingeheizt. Eine schwarze Folie zieht Wärme an, reduziert Unkraut und sorgt dafür, dass sich die Spargelspitzen nicht violett färben. Eine weitere Folie - die sogenannte Verfrühungsfolie - wird wie ein Tunnel über den Erddamm gestülpt und funktioniert ähnlich wie ein Gewächshaus. "Je schneller die Folie auf die Dämme kommt, umso eher wächst der Spargel, sagt Patrick Franke. In Vetschau seien die ersten Dämme daher schon im Februar abgedeckt worden. Rund 100 Kilogramm Spargel können mit dieser Methode derzeit bei Spreewaldbauer Ricken täglich geerntet werden. Ab 9,90 Euro pro Kilogramm ist der erste Spargel zu haben. Insgesamt wird bei Spreewaldbauer Ricken auf mehr als 100 Hektar Land Spargel angepflanzt. Damit gehört Inhaber Karl-Heinz Ricken zu den größten Spargelproduzenten der Region.

"Wir sind aber verwöhnt von den vergangenen Jahren, wo der Spargel schon ab April geerntet werden konnte. Früher war es normal, dass die Spargelsaison erst zum Mai begonnen hat", sagt Simone Hill, Geschäftsführerin der Agrarhandel und Service GmbH Dürrenhofe (Landkreis Dahme-Spreewald). Dort lässt der Spargel auf den insgesamt 36 Hektar großen Feldern noch etwas auf sich warten. "Wir rechnen aber damit, in der kommenden Woche den ersten Spargel zu stechen", so Simone Hill weiter.

Brandenburg ist Spargelland

Insgesamt wurden laut Statistischem Bundesamt in Brandenburg im vergangenen Jahr 2861 Hektar Land für den Spargelanbau genutzt. Damit liegt Brandenburg bei einem deutschlandweiten Vergleich auf Platz drei hinter Niedersachsen (4643 Hektar) und Nordrhein-Westfalen (3453 Hektar). In Sachsen wurde Spargel auf einer Fläche von 254 Hektar angebaut. 1051 Tonnen Spargel konnten davon geerntet werden. In Brandenburg betrug der Ertrag 2015 15 346 Tonnen. Zufrieden sind die Spargelbauern damit aber nur bedingt. "Die vergangene Saison war lang. Dennoch hatten wir einen unterdurchschnittlichen Ertrag", sagt Karl-Heinz Ricken. Zu trocken war der Sommer. Auch das Frühjahr war bislang nicht optimal. Zwar war der Winter mild, doch Sonne gab es wenig. "Wir wären schon zufrieden, wenn es wenigstens eine durchschnittliche Saison wird", sagt Eckhard Kuhl, Geschäftsführer der Spargelbau GmbH in Sallgast (Landkreis Elbe-Elster). Auf rund 60 Hektar wächst bei ihm das edle Gemüse. Am Mittwoch hat der Sallgaster Betrieb den ersten Spargel gestochen.

Für den Lausitzer Spargel müssen Feinschmecker in diesem Jahr allerdings tiefer in die Tasche greifen. Grund ist der Mindestlohn, der 2016 um zehn Prozent auf 7,90 Euro angehoben wurde (siehe Infobox). "Wir brauchen eine gute Ernte, damit wir auch gute Preise auf dem Markt anbieten können", erklärt Eckhard Kuhl. Zwischen sechs bis zwölf Euro kostet derzeit das Kilogramm Spargel beim Sallgaster Betrieb.

Mindestlohn verteuert Spargel

Eckhard Kuhl muss - wie andere Spargelbauer in der Region - die Preise in diesem Jahr anpassen. "Wir müssen die Preise um fünf Prozent anziehen, um zumindest einen Teil der Mehrkosten - auch aus dem Mindestlohn - wieder reinzuholen", erklärt er. Denn viel Handarbeit und harte Arbeit steckt hinter der Spargelernte. Eine Einschätzung des Verbandes der sächsischen Spargelbauern geht davon aus, dass die Preise in der Hauptsaison sogar um bis zu 20 Prozent steigen könnten. Wie viel ein Kilogramm Spargel letztlich kosten wird, ist derzeit nur schwer einzuschätzen. Faktoren wie der Ertrag sowie Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. "Die Anhebung des Mindestlohns werden wir nicht komplett auf den Preis umlegen. Zu stark wäre sonst der Druck durch die polnische Konkurrenz", sagt Gerald Kaltschmidt vom Spargelbetrieb Kaltschmidt in Preschen (Spree-Neiße-Kreis). Bislang schätzen die Kunden aber die Qualität des heimischen Spargels und sind bereit, auch mehr dafür auszugeben. Gestiegene Umsätze auf Wochenmärkten bestätigen das. "Eine gute Bodenpflege und die intensive Bewirtschaftung des Spargels zahlen sich aus. Geschmacklich gibt es einfach einen Unterschied", erklärt Gerald Kaltschmidt.

Zum Thema:
Für Landarbeiter gilt in Deutschland ein tariflicher Stunden-Mindestlohn, der aktuell mit acht Euro in Westdeutschland und 7,90 Euro im Osten noch unter dem bundesweiten gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro liegt. Mit den Zwischenstufen von 8,60 und 9,10 Euro soll ab 2018 dann die allgemeine gesetzliche Untergrenze auch in der Landwirtschaft gelten. Der Stundenlohn darf an Akkordvorgaben gekoppelt werden, wenn im Schnitt der Mindestlohn erreicht wird. Wer im Akkord mehr schafft, kann auch höhere Stundenlöhne realisieren. Die vom Lohn abzurechnenden Kosten für Verpflegung und Unterkunft sind tariflich gedeckelt, nämlich auf 7,63 Euro pro Tag für die Kost und 223 Euro im Monat für Logis. Sie dürfen erst kassiert werden, wenn der Monatslohn die Pfändungsuntergrenze überschreitet. Sie beträgt bei Ledigen 1080 Euro im Monat. Die regelmäßige Wochenarbeitszeit von 40 Stunden wird vor allem in der Ernte-Hochzeit meist im beiderseitigen Einvernehmen überschritten. red/dpa