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Die Sense wird wiederentdeckt

Der Kursteilnehmer Robert Thomas wetzt während eines Sensenkurses eine Sense.
Der Kursteilnehmer Robert Thomas wetzt während eines Sensenkurses eine Sense. FOTO: dpa
Langenwetzendorf. Wenn Bauern einst Getreide ernten oder Heu machen mussten, griffen sie zur Sense. Dieses altehrwürdige Gerät erlebt gerade bei Gärtnern und Naturliebhabern ein Comeback. Andreas Hummel

Statt des Sensenmanns ist dabei immer öfter eine Sensenfrau auf der Wiese anzutreffen.

Gesine Schramm hat ihre Sense mit einem Wetzstein präpariert, nun geht es los. Noch etwas zaghaft lässt die 26-Jährige unter dem prüfenden Blick von Klaus Hofmann ihre Sense durchs frische Gras gleiten. "Die Sense immer schön im Halbkreis vor sich ziehen", erklärt Hofmann. Schramm ist mit ihrem Partner Robert Thomas an diesem Morgen nach Langenwetzendorf bei Greiz gekommen, um die jahrtausendealte Mähtechnik zu erlernen, so wie sieben weitere Kursteilnehmer. Einige sind dafür mehr als 100 Kilometer gefahren. Denn trotz moderner Mäher und Mulcher erlebt das Sensen derzeit eine Renaissance in Deutschland. Das zeigt das wachsende Interesse an Kursen von Hofmann und anderen Lehrern, die häufig ausgebucht sind.

"Wir haben ein Hanggrundstück, das mit einem normalen Mäher schwer zu bearbeiten ist", erzählt Schramm zu ihrer Motivation für den Kurs. Außerdem sei die Bewegung beim Sensen an der frischen Luft ein guter Ausgleich. Und gemäht werde so ganz ohne nervenden Lärm. Ihr Freund ergänzt, dass es ihm auch darum gehe, ein altes Handwerk zu erhalten.

So und ähnlich beschreiben es auch die anderen Teilnehmer des Kurses und sind damit bei Weitem keine Exoten. "Das Sensen liegt wieder im Trend", schildert Hofmann. Der 65-Jährige hat sich vor fünf Jahren in Österreich zum Sensenlehrer ausbilden lassen und gibt seither sein Wissen in Mäh- und Dengelkursen weiter. Das Interesse daran führt er auf den allgemeinen "Ökotrend" zurück. In seinem Kurs an diesem Tag sind Männer und Frauen ganz verschiedener Alter und Berufe bis hin zum Heilpraktiker oder Kinderarzt. Auch Professoren hätten schon bei ihm Rat gesucht, erzählt Hofmann. Heiner Miller, Vorsitzender des Sensenvereins Deutschland in Wangen im Allgäu, bestätigt, dass es weniger Landwirte sind, die heute zur Sense greifen, sondern Hobbybauern, Naturschützer und Gärtner. Und darunter vor allem Frauen. "In den Kursen sind inzwischen oft 0die Hälfte Frauen, manchmal haben wir sogar reine Frauenkurse", berichtet er. Bei ihnen sei das ökologische Bewusstsein höher und auch das Interesse für den Garten, sagt er zur Begründung. Den Verein selbst gibt es erst seit 2009. "Uns geht es nicht um Wettbewerbe, wer am schnellsten mäht", betont Miller. "Uns geht es um das Sensen im Alltagsgebrauch."

"Bei mir sind ungefähr 70 Prozent aller Kursteilnehmer Frauen", bestätigt Gunther Rödel. "Frauen sind die sauberen Mäher. Männer wollen immer schnell sein, husch, husch." Mit guter Anleitung, etwas Übung und einer guten Sense sei das Mähen für den Hausgebrauch nicht schwer. Rödel, der im südthüringischen Neuhaus am Rennweg zu Hause ist, reist für die Kurse auch in andere Bundesländer und lehrt die Techniken des Dengelns und Mähens etwa in Leipzig und Dresden. Mitunter auch Kindern. "So richtig lohnt sich das ab acht Jahre."

"Wir wollen, dass es in unserer Landschaft wieder mehr blüht", betont Miller, der auch Imker ist. Dabei helfe das Mähen mit der Sense. So könne die Wiese in Ruhe wachsen und werde erst nach der Blüte gemäht. "Ein normaler Rasen ist dagegen ökologisch uninteressant", erklärt der Fachmann. "Und für viele Pflanzen ist der Schnitt mit der Sense viel verträglicher als mit dem Rasenmäher oder Freischneider."

Damit sich eine artenreiche Blumenwiese entwickeln kann, sollte sie laut Naturschutzbund Deutschland (Nabu) höchstens zweimal im Jahr gemäht werden. Die Sense sei dabei eine preiswerte Alternative etwa zum Balkenmäher; zugleich komme sie ohne Lärm und Abgase aus. Die Teilnehmer in Hofmanns Kurs müssen von all dem nicht mehr überzeugt werden.