Es ist sicher ein kleines vertrauensbildendes Signal, dass sich die 45 Verhandler von CDU/CSU heute gleich in der SPD-Zentrale treffen, um zunächst intern die zweite große Runde der Koalitionsverhandlungen vorzubereiten - bevor sie dort am Mittag im Hans-Jochen-Vogel-Saal mit den 30 SPD-Verhandlern zusammenkommen.

Nach einer Woche Koalitionsverhandlungen mit dem Start fast aller zwölf Arbeitsgruppen und vier Unterarbeitsgruppen soll es vor allem beim Thema Europapolitik erste Ergebnisse geben.

Etwa wie die rasche Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Bisher stocken die Verhandlungen dafür auf EU-Ebene. Negative Folgen auf Kleinanleger und Unternehmen wollen Union und SPD vermeiden und "unerwünschte Formen von Finanzgeschäften" zurückdrängen, heißt es in einem Eckpunktepapier, das die große Runde beschließen soll.

Zudem soll eine verstärkte Privatisierung der Wasserversorgung verhindert werden. Die EU-Kommission hatte mit einer neuen Richtlinie für massiven Protest gesorgt. Rund 1,5 Millionen Menschen forderten in der ersten europäischen Bürgerinitiative einen Verzicht auf die Privatisierung der Trinkwasserversorgung. Schließlich wurde im Juni der Wasserbereich aus der Konzessionsrichtlinie ausgeklammert. Union und SPD betonen: "Nationale, regionale und lokale Besonderheiten in der öffentlichen Daseinsvorsorge dürfen durch europäische Politik nicht ausgehebelt werden." Unter anderem die Wasserversorgung gehöre zum Kernbestand staatlicher Aufgaben.

Die ersten geplanten Beschlüsse dürften für beide Seiten in Ordnung sein. Aber von nun an geht es ans Eingemachte, um die Streitpunkte wie die SPD-Forderung nach 8,50 Euro gesetzlichem Mindestlohn - und ums Geld. Gabriel bemängelt, dass es kaum Finanzierungsvorschläge der Union für deren Wunschprojekte gebe. Dazu gehören höhere Renten für Mütter, die vor 1992 Kinder zur Welt gebracht haben.

Und es soll ja auch mehr Geld für Bildung und Kommunen geben. "Die müssen jetzt mal Butter bei die Fische tun", sagt Gabriel. Steuererhöhungen sind aber für die Union erklärtermaßen eine rote Linie - der amtierende Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) scheint sich daher nun von dem Ziel zu verabschieden, 2015 mit dem Schuldenabbau zu beginnen.

Bei Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) sowie den Generalsekretären Hermann Gröhe (CDU), Alexander Dobrindt (CSU) und Andrea Nahles (SPD) laufen die Fäden zusammen - sie müssen die Arbeit der AGs in Beschlusspapiere für die große Runde gießen. Damit nicht in der finalen großen Runde alle Streitfragen gelöst werden müssen, sollen bestimmte Felder Stück für Stück abgehakt werden.

Vom Gesamtergebnis wird abhängen, ob die Mehrheit der rund 470 000 SPD-Mitglieder am Ende der Großen Koalition zustimmen wird. Wenn die Sache positiv ausgeht, soll Merkel etwa Mitte Dezember zur Kanzlerin wiedergewählt werden.