" Der Disponent entschied, den in Bautzen stationierten Rettungshubschrauber "Christoph 62" für die Bergung anzufordern. Es dauerte nur eine knappe Stunde, bis die verunglückte Bergsteigerin - sie war trotz Dauerregens in den Felsen herumgeklettert - aufgenommen und ins Klinikum Görlitz gebracht werden konnte.
Mit solchen Einsätzen hat es die Firma Elbe Helicopters, die den in Bautzen stationierten Rettungshubschrauber betreibt, des öfteren zu tun.
"Mithilfe eines neu entwickelten Verfahrens können wir die Bergung ab sofort effektiver und mit weniger Risiko durchführen", freut sich Geschäftsführer Helmut Büschke. Erstmals in ganz Deutschland genehmigte das Bundesluftfahrtamt nämlich den Bautzener Luftrettern den Einsatz des variablen Rettungstaus.
"Dieses Tau kann, wie es bereits der Name sagt, während der Rettungsaktion in seiner Länge variiert werden", erklärt Helmut Büschke. Der Vorteil liegt auf der Hand: Der Pilot kann den Hubschrauber in der für ihn günstigsten Lage manövrieren. Einsatzabbrüche wegen zu geringer Seillänge gehören der Vergangenheit an. "Wir können näher an die Unglücksstelle heran und uns gezielter abseilen", bringt es Matthias Riffer auf den Punkt. Er ist einer von 14 speziell geschulten sächsischen Bergrettern, mit dem Elbe Helicopters in Sachen Bergrettung kooperiert.
Allerdings benennt er auch Nachteile des neuen Systems: "Am variablen Seil kann sich nur ein Bergretter abseilen, mit dem starren Seil sind es bis zu vier." Deshalb sieht er das neue Verfahren eher als Ergänzung, nicht als Ersatz für die bisherige Methode.
Die Bergretter des DRK-Landesverbandes begleiteten die Piloten von Elbe Helicopters in diesem Jahr auf bislang 13 Einsatzflügen. Haupteinsatzorte sind die Klettergebiete in der Sächsischen Schweiz und dem Zittauer Gebirge.
"Doch auch Steinbrüche und andere schwer zugängliche Objekte, Schornsteine, Hochhäuser und sogar Windkraftanlagen können wir aus der Luft erreichen", betont der Vorstandsvorsitzende des DRK-Landesverbandes Sachsen, Rüdiger Unger. Und Helmut Büschke ergänzt, dass die Bautzener Luftretter sachsenweit die einzigen sind, die Bergrettungseinsätze durchführen können. "In den gesamten neuen Bundesländern gibt es dafür nur drei Standorte: Neben Bautzen noch Holzdorf im Elbe-Elster-Kreis sowie Laage bei Rostock."
Auf Anordnung des Innenministeriums ist seit 1999 auf dem Bautzener Flugplatz ein Rettungshubschrauber stationiert. Ziel war es, eine bessere Notfallversorgung der Region Oberlausitz/Niederschlesien zu gewährleisten. Das Einzugsgebiet erstreckt sich über die Landkreise Bautzen, Kamenz, Niederschlesien Oberlausitz, Löbau-Zittau, die kreisfreien Städte Görlitz und Hoyerswerda bis hin nach Pirna. Bautzen ist der einzige sächsische Standort mit 24-Stunden-Besetzung.