In den 80er-Jahren hatten sie das Land in den wirtschaftlichen Ruin geführt. Zum Erstaunen aller steht der inzwischen 60-Jährige nun wieder an der Spitze der Frente Sandinista de Liberación Nacional (FSLN) und hat gute Aussichten, am Sonntag erneut zum Präsidenten von Nicaragua gewählt zu werden. Sein schärfster Konkurrent ist der 51-jährige Ex-Bankier Eduardo Montealegre von der Liberalen Nicaraguanischen Allianz (ALN), der vom scheidenden Präsidenten Enrique Bolaños unterstützt wird.
Wie in anderen Staaten Lateinamerikas auch stehen die 3,4 Millionen Wähler in Nicaragua vor einer echten Alternative. Sie entscheiden zwischen einem lateinamerikanischen Nationalismus mit sozialistischer Prägung und einem neoliberalen Kurs. Letzterer wird von Montealegre repräsentiert, der die seit 1990 begonnene Wirtschafts- und Stabilitätspolitik fortsetzen will. Er will ausländische Investitionen anlocken, die Privatwirtschaft fördern und den Handel ankurbeln. "Nicaragua braucht Ruhe, makroökonomische Stabilität und einen freien Markt, damit die Investitionen kommen", sagte er vor wenigen Tagen.
Derlei Äußerungen sind aus dem Munde Ortegas nicht zu vernehmen. "Gebt mir aus Liebe zu Gott die Gelegenheit, in Frieden zu regieren und bald werdet Ihr Gesundheit, Wohnung, Arbeit und Bildung haben", verspricht er. Woher er den Reichtum so rasch nehmen will, wurde in den vergangenen Tagen klar, als zwei Schiffsladungen Dieselkraftstoff zu Sonderkonditionen aus Venezuela angeliefert wurden. Da kam Ortega mit Gefolge zum Hafen, um das Geschenk des Präsidenten von Venezuela, Hugo Chávez, in Empfang zu nehmen.
Nach Meinung der politischen Experten in Nicaragua muss es Ortega im ersten Wahlgang schaffen. In einer Stichwahl würden sich die "Antisandinisten" zusammentun und ihren Kandidaten, wahrscheinlich Montealegre, auf den Schild heben. Die Chancen Ortegas, es im ersten Anlauf zu schaffen, stehen nicht schlecht, weil es inzwischen in Nicaragua eine Besonderheit gibt: Wer im ersten Wahlgang über 40 Prozent der Stimmen erreicht, wird Präsident. Es reichen aber auch schon 35 Prozent der Stimmen, wenn der Zweitplatzierte mit einem Abstand von über fünf Prozent folgt. Darauf setzt Ortega - und darauf, dass die Menschen vergessen haben, wie er das Land ruinierte oder es einfach nicht wissen: seine Anhänger sind meist Jugendliche.