Schier unversöhnlich stehen sich die USA mit dem "Finger am Abzug" und Syriens "Schutzmacht" Russland seit Monaten gegenüber. Und nun das: eine UN-Resolution zum Bürgerkrieg in Syrien und ein historisches Telefonat im Atomstreit mit dem Iran. Ist das schon ein tragfähiger Kompromiss der Unterhändler - oder nur die Ruhe vor dem Sturm?

Eigenartig ist es schon: Noch vor Kurzem schien es zeitweise, als stehe ein US-Angriff auf Syrien unmittelbar bevor. Einige amerikanische Fernsehsender spielten bereits Szenarien drohender Luftattacken durch, Diplomatie schien keine Chance mehr zu haben - obwohl Russland mit Nachdruck vor einem Flächenbrand in der Krisenregion warnte.

Keine militärische Einmischung

Moskau ruft zu einer Friedenskonferenz aller Konfliktparteien auf. Für Russland gilt ganz klar: Kein Staat darf sich in die Belange eines souveränen Landes einmischen - schon gar nicht militärisch.

Die Tür für eine diplomatische Lösung hat aber Washington nie ganz zugeschlagen. Trotz aller Eskalation im Bürgerkrieg, ungeachtet des Giftgaseinsatzes, wurde im Weißen Haus immer betont, dass nur ein politischer Ausweg Frieden bringen könne. Eine militärische Lösung sei angesichts des blutigen Patts zwischen dem Regime von Machthaber Baschar al-Assad und den Rebellen schlicht unmöglich.

Angst vor Islamisten

Die Forderung nach einem Rückzug Assads wird seit einiger Zeit im Weißen Haus ebenfalls deutlich zurückhaltender formuliert. Nicht zuletzt geht die Angst um, dass islamistische Extremisten die Macht in Damaskus übernehmen könnten: ein Albtraum für die USA - und für Russland. Offen macht Kremlchef Wladimir Putin militante Dschihadisten für Kriegsverbrechen in Syrien verantwortlich.

Als vermeintlicher Blockierer in dem Konflikt stand die UN-Vetomacht monatelang am Pranger. Doch mit seinem Vorschlag einer Kontrolle der syrischen Chemiewaffen beweist Putin erneut sein Geschick im geopolitischen Machtpoker. "Eine russische Initiative steht im Mittelpunkt der Weltpolitik", jubeln Moskauer Staatsmedien.

Doch auch im Atomstreit mit dem Iran hat Washington - ungeachtet des israelischen Drängens auf eine harte Gangart - die Hoffnung auf eine friedliche Einigung zu keinem Zeitpunkt aufgegeben. Obama wird nicht müde zu wiederholen, dass diese Chance weiter bestehe. "Ich glaube, wir haben die Verpflichtung, Diplomatie zu betreiben", sagt er nach dem Telefonat mit dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani - dem ersten Kontakt auf dieser Ebene seit der Revolution im Iran 1979.

Das oberste außenpolitische Ziel des Friedensnobelpreisträgers ist, die Kriege im Irak und in Afghanistan zu beenden. Nichts käme da ungelegener als ein weiterer Waffengang. Zudem geht in Washington die Furcht um, ein Eingreifen in Syrien könnte den gesamten Nahen Osten in ein Pulverfass verwandeln. Da ist Diplomatie vielversprechender.

Russland als Vermittler

Als Vermittler im Irankonflikt bietet sich - wie bei Syrien - der Kreml an. Teheran könne sein Uran ja in Russland anreichern, schlägt Moskau vor. Die Verbindungen gelten als eng, so hat Russland in Buschehr das erste Atomkraftwerk der Islamischen Republik gebaut. Putin mag für viele als Friedensstifter unglaubwürdig wirken, meint der russische Militärexperte Pawel Felgenhauer. "In Teheran und Damaskus kann er aber mehr bewegen als irgendjemand aus dem Westen."