Dabei war alles ganz anders: Dieses kleine Mädchen war einfach unartig, die Oma war unvorsichtig. Und die sieben Geißlein haben ganz schön genervt. Aber das Märchen ist nun mal eine beliebte Textform. Jeder kennt sie, egal was für ein Blödsinn drin steht.

Märchen dürfen seit Menschengedenken ungestraft Unwahrheiten verbreiten. Geköpfte Pferde, die sprechen. Hexenhäuschen auf Hühnerbeinen. Schmeiß den Frosch an die Wand und er wird zum solventen Single. Wer denkt sich so was aus? Wir wissen es nicht.

Hinter der Märchen-Verschwörung stecken viele dunkle Gestalten: bekiffte Barden am Feuer, Omas im Ohrensessel und die naiven kleinen Kinder, die den Quatsch glauben. Trotzdem geht es dem Märchen wie dem Wolf, es verschwindet. Und wird so zu einem Fall für die Politik.

Sachsen feiert dieser Tage das 3. Sächsische Märchenfestival, Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) ist Schirmherr. Dabei liest auch die Polit-Prominenz Kindern was vor. Es werden Märchen in Flüchtlingsunterkünften erzählt und dort für die Kinder pantomimisch übersetzt. Das Märchen, so die Idee, kann Völker verbinden und Vertrauen wecken. Und es ist eine schmackhafte Kostprobe von europäischer Kultur, die Lust auf mehr macht.

Drum machen auch alle mit. Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) erzählte Dresdner Zweitklässlern was von der "Gänsehirtin am Brunnen". Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) erfreute Leipziger Vorschulkinder mit Wladimir Sutejews "Lustigen Geschichten".

Umweltstaatssekretär Herbert Wolff ließ Kinder zu sich kommen, verschonte sie dann aber mit dem "Rotkäppchen". Die Geschichte vom bösen Wolf "erfährt in Sachsen auch ohne Mitwirkung der Staatsregierung schon ausreichend Verbreitung", meinte der nette Wolff.

Er las dann lieber was Harmloses über freundliche Tiere im Wald.