Rosen und Tuche hatten der alten Textilstadt früher zu Glanz verholfen, doch der ist nicht zuletzt wegen der hohen Arbeitslosigkeit stark verblasst. Das Landesfest soll dem etwas entgegensetzen, aber Feierstimmung will in der 22 000 Einwohner zählenden Stadt nur schwer aufkommen. Denn die Katerstimmung ist programmiert: Bürgermeister Gerhard Reinfeld (CDU), der seit 16 Jahren im Amt ist, muss um seinen Rathausstuhl bangen. Am 8. Oktober sollen die Einwohner in einem Bürgerentscheid über seine politische Zukunft befinden.

Rückzieher nach Protesten
Ein übergreifendes Bündnis in der Stadtverordnetenversammlung wirft Reinfeld unter anderem Vetternwirtschaft vor. So habe er im Juni ohne Ausschreibung seinem Sohn den Posten des Geschäftsführers von zwei Pflegefirmen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zuspielen wollen, wird kritisiert. Nach Protesten machte er einen Rückzieher. Es kam hinzu, dass die Stadt wegen schlampiger Abrechnungen für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen nach einem Gerichtsvergleich 285 000 Euro an die Arbeitsagentur zurückzahlen soll.
Seit Wochen macht sich der 61-jährige Reinfeld in der Öffentlichkeit rar. So ließ er sich beispielsweise bei der monatelang vorbereiteten Veranstaltung zum 100. Jubiläum der Radrennbahn im Juni entschuldigen. Bei der Präsentation des Programms für den Brandenburg-Tag mit Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) in Potsdam fehlte Reinfeld vor Kurzem krankheitsbedingt.
In der Kreisstadt nahe der polnischen Grenze sind die Einwohner bescheiden geworden. Fast jeder Fünfte ist ohne Arbeit. Die alten Fabrikanlagen, von denen es in Forst nahezu 140 gibt, sind heute ein Problem. Sie stehen ungenutzt herum, verschandeln das Stadtbild und laden Jugendliche zum Vandalismus ein. Seit anderthalb Jahren beschäftigt sich das Institut für Neue Industriekultur (Inik) mit der Nachnutzung alter Industriebrachen.
"Man muss Geduld haben", sagt der Inik-Mentor Markus Otto. Ein Fabrik ensemble soll möglicherweise für zehn Millionen Euro zu Textilmuseum, Bibliothek und Stadt- und Kreisarchiv ausgebaut werden. Baudezernent Jürgen Goldschmidt (FDP) ist überzeugt, dass in Forst seit der Wende etwas geschaffen wurde. So eröffnete vor Kurzem in der Innenstadt ein Einkaufsmarkt.
Insgesamt 28 Millionen Euro flossen während der vergangenen 15 Jahre in Sanierungsmaßnahmen, 25 Millionen davon zahlten private Investoren, drei Millionen die öffentliche Hand. "Die Stadt hat damit einen neuen Kern bekommen", sagt Goldschmidt. Die historische Innenstadt war zum Kriegsende ein Trümmerhaufen. Nur die Marktkirche wurde wiederaufgebaut, eingerahmt von Plattenbauten. Um den Einwohnerschwund einzudämmen, wurden in der Stadt bereits viele Häuser abgerissen und weitere sollen folgen.

Etwa 40 000 Rosenstöcke
Das Landesfest setzt nun unter dem Motto "Rosen für Brandenburg" ganz auf das Image der Kommune als Blumenstadt. Textilfabrikanten schufen vor mehr als 90 Jahren den Rosengarten. Dort hatten die Mitarbeiter um den Gartenchef Jens Hofmann im Sommer alle Hände voll zu tun, um die empfindlichen Pflanzen vor der wochenlangen Hitze zu schützen. Auf der 15 Hektar großen Anlage wachsen auf etwa 40 000 Stöcken ungefähr 400 Sorten. Eine davon heißt "Dr. Helmut Kohl" und wurde dem ehemaligen Bundeskanzler gewidmet, der 16 Jahre lang regierte.
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