Mit der verbesserten Mütterrente und der abschlagsfreien Rente mit 63 schien das Thema Alterssicherung für diese Wahlperiode schon abgehakt zu sein. Doch mittlerweile ist die Debatte über Altersarmut voll entbrannt. Die Gewerkschaften wollen dazu im Spätsommer eine groß angelegte Kampagne starten. Wohl auch unter diesem Eindruck stellt Schwarz-Rot plötzlich eine große Rentenreform in Aussicht. Welche Möglichkeiten es dabei gibt, zeigt die folgende Übersicht.

Rentenniveau: Das Rentenniveau darf nicht weiter sinken, heißt es bei SPD und Teilen der Union. Unter den geltenden Bedingungen käme das jedoch sehr teuer. Gegenwärtig liegt die Rente eines Durchschnittsverdieners mit 45 Beitragsjahren bei knapp 48 Prozent des Durchschnittsverdienstes der Arbeitnehmer. Bis 2030 sinkt dieser Wert auf etwa 44 Prozent. Laut Gesetz soll der Beitragssatz dann bei höchstens 22 Prozent vom Bruttolohn liegen. Bliebe es beim heutigen Rentenniveau, dann würde die Rentenkasse im Jahr 2030 grob geschätzt mit 18 Milliarden Euro zusätzlich belastet. Der Beitrag von jetzt 18,7 Prozent müsste auf etwa 23,5 Prozent steigen. Ein Rentenniveau von 50 Prozent, wie es der DGB will, kostet gar rund 28 Milliarden Euro mehr. Das ergäbe einen Beitragssatz von 24,3 Prozent.

Erwerbstätigenversicherung: Mit der schon länger diskutierten Einbeziehung von Selbstständigen und Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung würde sich der Kreis der Beitragszahler deutlich erweitern. Dadurch wäre auch ein höheres Rentenniveau leichter finanzierbar. Nach einer Expertenstudie der Ruhr-Uni Bochum würde der Beitragssatz in 20 Jahren moderat auf 22,8 Prozent steigen, um ein Rentenniveau von 52,6 Prozent zu erreichen. Allerdings werden auch Beamte und Selbstständige älter, verursachen also ebenfalls steigende Rentenausgaben. Eine so grundlegende Umstellung des Systems ist wegen der Beamtenpensionen auch verfassungsrechtlich heikel. Schwer vorstellbar, dass sich eine Regierung da heranwagt.

Schweizer Modell: In der Schweiz gibt es schon eine Art Erwerbstätigenversicherung als Teil der Alterssicherung. Gegenwärtig sind dadurch etwa 1100 Euro Rente im Monat garantiert. Anders als in Deutschland gibt es aber keine Beitragsbemessungsgrenze, die festlegt, bis zu welcher Lohnhöhe Beiträge fällig werden. Gleichzeitig ist jedoch die Höhe der Rente begrenzt. Derzeit sind es etwa 2200 Euro. Das deutsche Äquivalenzprinzip - mehr Beiträge gleich mehr Rente - gilt in der Schweiz also nur begrenzt.

Deutschlandrente: Vor allem die Grünen machen sich Gedanken über bessere Möglichkeiten für eine kapitalgedeckte Vorsorge. Demnach soll jeder Arbeitnehmer in einen Pensionsfonds einzahlen. Um die Nebenkosten zu senken, soll ein solcher Basis-Fonds aber nicht von privaten Versicherungen verwaltet werden, sondern von einer öffentlichen Einrichtung. Angesichts des Niedrigzinsniveaus klingt dieses Modell allerdings wenig verlockend.

Betriebsrente: Eine umfassende Rentenreform müsste auch Änderungen bei der betrieblichen Alterssicherung beinhalten. Hier zeichnen sich auch schon konkrete Vorstellungen ab. So plant Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) einen Gesetzentwurf zur Stärkung der Betriebsrente vor allem in kleinen Unternehmen. Neben tariflichen Lösungen könnten Arbeitgeber verpflichtet werden, die betriebliche Altersvorsorge in jedem Arbeitsvertrag zu verankern, falls der Beschäftigte nicht ausdrücklich widerspricht. Um auch Niedrigverdiener für den Abschluss einer Betriebsrente zu gewinnen, sind staatliche Zuschüsse nach dem Vorbild der Riester-Rente denkbar. Nachgedacht wird zudem über eine Absenkung der Sozialbeiträge, die in der späteren Auszahlungsphase fällig werden und die Betriebsrente praktisch zum Minusgeschäft machen. Entsprechende Vorstellungen finden sich in zwei Gutachten, die jetzt vom Arbeits- und Finanzministerium veröffentlicht wurden.

Riester-Rente: Für CSU-Chef Horst Seehofer ist sie gescheitert. Doch im Rahmen einer größeren Reform dürfte es hier allenfalls um Korrekturen gehen. So wünschen sich Fachpolitiker in der Unionsfraktion zum Beispiel mehr Transparenz bei den Vertriebs- und Abschlusskosten. Mehr Wettbewerb auf diesem Feld, so das Kalkül, könnte am Ende für höhere Auszahlungen sorgen.