Doch Kevin ist nicht Student an einer Schauspielschule, sondern Strafgefangener in der Justizvollzugsanstalt Wriezen. Er gehört zu den „Räubern von Wriezen“ - gut einem Dutzend jugendlicher Gefangener, die gegenwärtig gemeinsam mit zwei Jugendtherapeuten, der Schauspielerin Sabine Winterfeldt und einem Regisseur einen Film drehen.

Jugendliche stehen im Stoff
In Anlehnung an das berühmte Räuber-Drama von Friedrich Schiller soll ein zeitgenössisches Stück entstehen, das zur Einweihung des JVA-Neubaus im kommenden Sommer fertiggedreht sein soll. Die Jugendlichen zwischen 18 und 21 Jahren wissen genau, wovon sie sprechen, ist doch jeder von ihnen bereits mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten und verbüßt für Raubüberfälle, Körperverletzungen, Serieneinbrüche oder Drogendelikte eine Freiheitsstrafe.
Während die jungen Hobby-Schauspieler in erster Linie dem Zellen-Alltag entfliehen wollten, steckt für die Berliner Jugendtherapeuten Heidi Grätsch und Gereon Scheuring sowie für den Wriezener JVA-Leiter Wolf-Dieter Voigt mehr dahinter. „Ziel der Inhaftierung von straffällig geworfenen Jugendlichen ist immer die Erziehung und Resozialisierung. Beim Theaterspielen lernen sie, eigene Persönlichkeitsdefizite zu erkennen und anzugehen“ , ist der Anstaltsleiter überzeugt und hat für das Projekt Haushaltsmittel bereitgestellt, bemüht sich um Lottogelder sowie Sponsoren.
Darüber hinaus, hat Therapeutin Grätsch ausgemacht, erfahren „die Jungs“ , dass es sich lohnt, „an einer Sache dranzubleiben, Ausdauer zu beweisen, auch wenn man sich dafür anstrengen muss“ . Positiver Nebeneffekt: Mit dem Filmprojekt kann sich die JVA auf ungewöhnlichem Weg in der Öffentlichkeit präsentieren, erstmals bei der Einweihung des Gefängnis-Neubaus im kommenden Sommer. 220 moderne Haftplätze stehen dann in Wriezen zur Verfügung, der Brandenburger Jugendstrafvollzug wird an einem Standort konzentriert.

Konflikte lösen ohne Gewalt
Bis die Nachwuchs-Darsteller im Scheinwerferlicht glänzen können, stehen jedoch schweißtreibende und konfliktreiche Proben auf dem Plan. Jeden Sonnabend geht es für die „Räuber“ stundenlang hart zur Sache. Zwar gibt es auch immer wieder lautstarke Auseinandersetzungen, doch zumindest, ohne dass die Fäuste fliegen. „Wir demonstrieren Konfliktlösungen ohne Gewalt, verschaffen über die Kunst Erfolgserlebnisse“ , erklärt Therapeut Scheuring. Positive Veränderungen könne man bei Einzelnen bereits erkennen, resümiert Schauspielerin Winterfeldt.
(*Name wurde von der Redaktion geändert)