Senftenberg soll zum Zentrum der akademischen Pflegeausbildung in Brandenburg werden. Ab dem Wintersemester 2013/2014 sollen am dortigen Standort der Hochschule Lausitz (FH) die neuen Bachelor-Studiengänge Pflegemanagement und Pflegedidaktik angeboten werden. Das gaben Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) und der Präsident der Hochschule Lausitz, Günter Schulz, am gestrigen Montag vor Journalisten in Potsdam bekannt.

Für die Entwicklung und Akkreditierung der neuen Fächer ist die bisherige Bielefelder Professorin für Pflegedidaktik, Barbara Knigge-Demal, angeworben worden: Seit gestern amtiert sie offiziell als "Beauftragte für die Einrichtung gesundheitsbezogener Studiengänge am Standort Senftenberg". "Die Entwicklung dieser Studiengänge trägt zu einer nachhaltigen Stärkung des Standortes Senftenberg bei", sagte Kunst. "Wir etablieren neue Zukunftspotenziale in der Lausitz." Gleichzeitig schreite mit den neuen Studiengängen auch die "Konzeption einzelner Teilbereiche der neuen Universität" voran. Dabei seien die Gesundheitswissenschaften "ein wichtiges Werkstück", so die Ingenieurin Kunst.

Die demografische Situation in Brandenburg verlange nach Lehrkräften, die an Pflegeschulen Kranken- und Altenpfleger ausbilden, nach akademisch qualifiziertem Leitungspersonal für Pflegeeinrichtungen sowie Fachkräften im Gesundheitswesen. "Wir brauchen hier neue Qualifizierungswege", sagte Kunst. "Und wir wollen Senftenberg zum akademischen Ausbildungszentrum für diesen Wachstumsmarkt entwickeln." Dazu stelle das Land ab 2013 zusätzliche Mittel in Höhe von jährlich 3,2 Millionen Euro zur Verfügung. Gleichzeitig ergänzten die neuen Angebote die Medizinerausbildung an den Berliner Hochschulen.

Einen Einstieg in eine klassische Medizinerausbildung plane das Land nach Angaben von Kunst hingegen nicht. Stattdessen werde eine enge Kooperation der neuen Studiengänge mit den Potsdamer Hochschulen sowie dem etwa im Bereich der Biomaterialentwicklung spezialisierten Teltower Helmholtz-Zentrum angestrebt. "Alle anderen Brandenburger Hochschulen, die im Bereich Gesundheit unterwegs sind, werden sich an dieser Stelle künftig etwas zurücknehmen", so Kunst.

FH-Präsident Günter Schulz verwies auf die bisherigen Angebote der Hochschule, deren Bandbreite von der Biotechnologie über die Physiotherapie bis zur Sozialarbeit reiche. Sie seien ein "guter Background" für die neuen Studiengänge. Eine enge Verknüpfung mit den neuen Pflegewissenschaften werde angestrebt. "Senftenberg ist ein geeignetes Pflaster, um zu zeigen, dass wir solche Studiengänge auch jenseits der großen Zentren anbieten können."

Schulz betonte, dass die Hochschule im Oktober auch ein neues Laborgebäude für die Studiengänge Medizintechnik und Physiotherapie in Betrieb nehmen werde. Insgesamt böte sich eine "deutliche Profilierungsmöglichkeit für die Lausitz".

Knigge-Demal, die nach eigenen Angaben über insgesamt 16 Jahre Berufserfahrung beim Aufbau neuer Studiengänge verfügt, betonte, dass Brandenburg mit der Einrichtung des neuen Studienangebots ein "sehr ehrgeiziges Ziel" verfolge.

Auch sie verwies darauf, dass die neuen Studiengänge auch der Qualifikation von Leitungskräften dienen sollten. "Wir brauchen dringend entsprechende Fachkräfte, nicht nur in Brandenburg", so die Wissenschaftlerin, die sich überzeugt zeigte, dass die nötige Akkreditierung der neuen Studiengänge gut gelingen werde. "Ich habe selbst schon mehrere solcher Konzepte entwickelt, und war in mehr als 20 Fällen Gutachterin für neue Studiengänge", fügte sie hinzu.