Seitdem der einst rebellierende Sven Petke nach seiner Niederlage gegen Ulrich Junghanns im Kampf um den Parteivorsitz 2007 einen Stellvertreterposten eingenommen hatte, zog Ruhe bei den Brandenburger Christdemokraten ein. Zwar wurde Junghanns nach der Pleite bei den Kommunalwahlen 2008 nur ein Übergangschef. Aber auch unter Johanna Wanka und Saskia Ludwig schienen die Personalquerelen, die ein Markenzeichen der CDU-Politik in den 1990er-Jahren und im Kampf um die Nachfolge von Jörg Schönbohm waren, beseitigt.

Seitdem allerdings die wiedergewählte Oberbürgermeisterin von Brandenburg/H., Dietlind Tiemann, auf einen der scheinbar vergebenen vier Stellvertreterposten drängt, "muss man sich schon Sorgen machen um neue Grabenkämpfe". Die Gubener Landtagsabgeordnete Monika Höpfner-Schulz, die das jahrelange Hickhack um Peter-Michael Diestel, Ulf Fink, Peter Wagner oder Carola Hartfelder bis zu Petke und Junghanns miterlebt hat, fügt aber schnell hinzu: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in der CDU noch so unkluge Leute gibt, die einen Rückfall in diese Zeiten anstreben."

Selbst betroffen von der umstrittenen Personalie ist der Cottbuser Kreischef Michael Schierack. Er gehört neben dem Rüdersdorfer Bürgermeister André Schaller, der Landtagsabgeordneten Barbara Richstein und Ex-Junge-Union-Chef Jan Redmann zum Quartett der Stellvertreter, das Saskia Ludwig favorisiert. Schierack hofft darauf, dass es vor dem Samstag noch ein klärendes Gespräch der Vorsitzenden mit Tiemann gibt. "Weil niemand Interesse an Streit haben kann", sagt der Landtagsabgeordnete. Was gegenwärtig in den demokratischen Prozess dieser Wahl hineininterpretiert werde, "geht mir zu weit". Die CSU habe kürzlich die Richtungsentscheidung Ramsauer - Gauweiler ausgehalten. "Und wer bei uns am Samstag verliert, hat dies auch zu akzeptieren", betont Schierack.

Dass Dietlind Tiemann Kritik an der Oppositionsarbeit der Landes-CDU übt, sie ihre Erfahrungen erfolgreicher CDU-Politik aus Brandenburg/H. einbringen möchte und dass sie sich eine künftige Regierungsoption wünscht - davon hat der Finsterwalder Rainer Genilke im Landesvorstand noch nie etwas vernommen. "Hier hätte es aber die Gelegenheit dazu gegeben", erklärt Genilke. Mit der gewonnenen OB-Wahl für Frau Tiemann sei "die Stadt Brandenburg doch nicht plötzlich zum Mittelpunkt der Erde geworden". Politik als OB zu gestalten und Oppositionsarbeit im Land zu leisten, das seien zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Genilke ist sich ziemlich sicher, dass die Elbe-Elster-CDU den Vorschlag der Vorsitzenden tragen werde.

So ganz unbekannt als Anwärterin auf einen Posten als CDU-Landes-Vize ist Dietlind Tiemann nicht. Bereits 2007 war sie ebenso wie der Herzberger Bürgermeister Michael Oecknigk ins Gespräch gekommen. Beide genießen Ansehen in der Partei. Tiemann hatte damals aufgrund der Strippenzieherei hinter den Kulissen aber abgewunken.

Jetzt wurde sie von ihrem Kreisverband erneut aufgefordert, was Michael Stübgen durchaus nachvollziehen kann. Der Finsterwalder Bundestagsabgeordnete, Mitglied im Geschäftsführenden Landesvorstand, war 2007 Mitverfasser eines umstrittenen Positionspapiers, in dem ein schärferes Profil für die "schlechteste CDU Deutschlands" gefordert wurde. Aus Stübgens Sicht sei dies auch erreicht worden. Die Landtagsfraktion bestehe zur Hälfte aus neuen Mitgliedern. "Sicher, auch Saskia Ludwig macht nicht alles richtig. Aber mit ihr sehe ich deutlich bessere Chancen zur nächsten Landtagswahl", betont Stübgen.

Die Aufregung um die Tiemann-Kandidatur und Spekulationen um neue Grabenkämpfe kann Stübgen nicht nachvollziehen. "Sie ist kein Wunschkandidat der Vorsitzenden." Aber wie die Wahl auch ausgehe, "ich erwarte von beiden Seiten, dass das Ergebnis akzeptiert wird".