Sie gehören im CDU-Landesvorstand zu den vehementesten Unterstützern der Cottbuser CDU-PDS-Allianz zur Oberbürgermeisterwahl. Wie kommt das angesichts ihrer Vita„
Es ist eine Folge der Entwicklung in den letzten 16 Jahren. Die PDS ist nicht mehr die SED. Die Bürger nehmen die PDS als normale Partei wahr, die mit anderen im Wettbewerb steht. Es bringt nichts, ständig auf die SED-Vergangenheit zu verweisen. Es gibt in der PDS ordentliche Politiker, die vor Ort solide Arbeit machen. Ob man mit der PDS auf kommunaler Ebene zusam-menarbeiten kann, hängt immer von konkreten Personen ab. In Cottbus ist das offenbar der Fall.

In der Union gilt aber bislang die eiserne Linie: keinerlei Zusammenarbeit mit der Linkspartei. Ist das noch zeitgemäߓ
Man sollte sich an die Realitäten halten und nicht an Wunschprogramme. Und die PDS ist nun einmal eine Realität im Land, in vielen Rathäusern.

Es gibt Christdemokraten wie Justizministerin Beate Blechinger, die Cottbus als „Sündenfall“ ansehen.
Als praktizierender Katholik sage ich: Es gilt natürlich, was der Heilige Vater in Rom sagt. Aber jeder katholische Pfarrer weiß auch, dass vor Ort das eine oder andere praxisnah entschieden werden muss. Manche argumentieren ja, dass CDU-Kandidaten sich durchaus heimlich von der PDS wählen lassen könnten. Aber das wäre, um es bildhaft auszudrücken, für mich Hehlerverhalten. Ich bin dafür, dass man gegenüber dem Wähler mit offenen Karten spielt. Das tun die Cottbuser.

Droht an der Parteibasis eine Zerreißprobe, wie der Potsdamer CDU-Chef Wieland Niekisch befürchtet„
Das sehe ich überhaupt nicht. Die Diskussion gab es ja in der Landesspitze und nicht an der Basis in Cottbus. Überhaupt läuft die Debatte schief: Wenn in Cottbus die PDS, die FDP und andere Gruppierungen einen CDU-Politiker für kompetent halten, die Stadt aus der Krise zu führen, ist das ein Kompliment für den Kandidaten und die CDU vor Ort. Ich würde mir wünschen, dass wir auch in der Landeshauptstadt eine so starke CDU hätten.

Wie bewerten Sie es, dass vor allem CDU-Minister die Cottbuser Allianz kritisierten“
Ich denke, dass sich die Minister besser dem Regierungsgeschäft widmen sollten als sich ungefragt und unaufgefordert in kommunale Angelegenheiten einzumischen. Wie man sieht, hat sich im Landesvorstand die Vernunft durchgesetzt. Im Interesse der Stadt Cottbus.

Im Landtag fährt die Union einen klaren Abgrenzungskurs gegenüber der Linkspartei. Selbst gemeinsame Anträge mit der PDS gegen Rechtsextremismus wurden nicht unterschrieben. Sollte die Union nicht auch da weniger Berührungsängste haben„
Das Verhältnis zur PDS hat sich längst normalisiert. Es gab schon mehrfach ein gemeinsames Agieren der drei großen Fraktionen. Es ist auch nicht so, dass jeder PDS-Antrag einfach abgeschmettert wird. Sinnvolle Anträge werden in die Ausschüsse überwiesen. Im Grunde gibt es längst einen entkrampften Umgang mit der PDS im Landtag. Man schätzt und respektiert sich. Die PDS ist nun einmal da. Wir können sie nicht wegzaubern.

Halten Sie in Zukunft auch CDU-PDS-Bündnisse auf Landesebene für denkbar“
Das ist für mich im Moment nicht vorstellbar - allerdings nicht wegen der SED-Vergangenheit, sondern weil es gravierende Unterschiede zwischen Parteien in zentralen Fragen gibt, ob in der Finanzpolitik oder der inneren Sicherheit. Aber es ist eine missliche Situation, dass die SPD die PDS immer als geborenen Partner sehen kann und die Union damit zu erpressen versucht.

Mit DIETER DOMBROWSKI sprach Thorsten Metzner