AKP: Ahmet Davutoglu ist ein loyaler Gefolgsmann von Präsident Recep Tayyip Erdogan, dem er im August an der Spitze von Partei und Regierung nachfolgte. Auf beiden Posten blieb Davutoglu blass. Vor der Wachablösung war der heute 56-Jährige Außenminister. Seine damalige Doktrin "Null Probleme mit den Nachbarn" ist gescheitert: Ankara liegt mit zahlreichen Regierungen nicht nur in der Region im Clinch. Davutoglu stammt aus der zentralanatolischen AKP-Hochburg Konya. Der Politikwissenschaftler veröffentlichte 2001 sein außenpolitisches Buch "Stratejik Derinlik" ("Strategische Tiefe") mit seiner Vision einer starken regionalen und globalen Rolle der Türkei.

MHP: Devlet Bahceli (67) schaut ausgesprochen grimmig von den Wahlplakaten, auf denen er um die Stimmen der Nationalisten wirbt. Nach Angaben seiner Partei hat der promovierte Ökonom "von Anfang an alle Stufen der nationalistischen Bewegung durchlaufen". Inzwischen führt er die MHP seit fast 18 Jahren. Unter Bahceli scheiterte die Partei bei der Wahl 2002 nach vierjähriger Regierungsbeteiligung an der Zehnprozenthürde. 2007 zog sie wieder ins Parlament ein. Bahceli ist strikt gegen einen Friedensprozess mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

HDP: Mit Figen Yüksekdag und Selahattin Demirtas stehen eine Frau und ein Mann an der Spitze der Partei. Yüksekdag wurde 1971 im südtürkischen Adana geboren und arbeitete unter anderem als Journalistin. Ihr politisches Engagement brachte sie mehrfach ins Gefängnis. Das prominentere Gesicht der HDP ist der charismatische Demirtas (42), auf dem die Hoffnungen vieler Erdogan-Gegner ruhen. Bei der Präsidentenwahl im vergangenen August trat der liberale Kurde aus der Osttürkei gegen Erdogan an - und bekam respektable 9,8 Prozent. Eigentlich ist Demirtas Menschenrechtsanwalt - in der Türkei ein potenziell gefährlicher Beruf.

CHP: Kemal Kilicdaroglu wurde 1948 in Tunceli in der Osttürkei geboren. Er machte als Bürokrat im Staatsdienst Karriere, 2002 zog er ins Parlament ein. Vor gut fünf Jahren übernahm er den Parteivorsitz. Kilicdaroglu ist ein wenig charismatischer Oppositionsführer. Ihm gelang es nicht, den Unmut der Massen über die AKP-Regierung während der landesweiten Gezi-Proteste für die CHP zu nutzen. Kritiker beklagen, eines der größten Probleme der Türkei sei die Schwäche der Opposition.

Der Präsident: Recep Tayyip Erdogan (61) ist ein Ausnahmepolitiker, der nun hofft, sein größtes Ziel zu verwirklichen: der Türkei ein Präsidialsystem zu bescheren, an dessen Spitze er selber steht. Dafür muss die von ihm mitgegründete AKP allerdings am Sonntag ein Wahlergebnis einfahren, das ihr eine Verfassungsänderung ermöglicht - was bei einem Einzug der HDP ins Parlament kaum realistisch wäre.

Erdogan kommt aus dem Istanbuler Arbeiterviertel Kasimpasa und lernte dort, sich durchzuboxen. Sein politischer Aufstieg erfolgte gegen massiven Widerstand vor allem des Militärs, das sich als Hüter des Erbes von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk sieht, das von Erdogan inzwischen weitgehend entmachtet wurde.

Seit Erdogan die AKP im Jahr 2002 an die Macht führte, hat er keine Wahl verloren. In einem Präsidialsystem könnte er seine Macht ausweiten. Schon jetzt ist niemand in der Türkei so mächtig wie er - und niemand so umstritten.