Viele Iraker werfen den in ihrem Land lebenden Palästinensern vor, Saddam Hussein nahe gestanden zu haben, weil dieser die Intifada unterstützte.
Neben ihrer Wohnung und ihrer Arbeit verlieren die Palästinenser auch einen Zufluchtsort. Menschen, die in Irak Schutz und ein geregeltes Leben gefunden hatten, finden sich von heute auf morgen in Flüchtlingslagern wieder. Viele palästinensische Familien leben schon seit Generationen im Irak.

Rechtlos in Bagdad
"Mein Vermieter sagte: ,Saddam Hussein hat sich die ganze Zeit auf eure Seite gestellt, aber jetzt gibt es kein Recht und keine Regierung mehr, darum musst du gehen‘", berichtet Hidschasi. Hoffnungslos sitzt die Frau in einem weißen Zelt, das wie ein Symbol für das Schicksal von Flucht und Vertreibung ihres Volkes auf dem Gelände eines palästinensischen Sportvereins steht.
Rund 240 palästinensische Familien wurden nach Angaben der Hilfsorganisation Roter Halbmond bislang in Bagdad aus ihren Häusern vertrieben. Auch die Familie von Itida Mohammed wurde auf die Straße gesetzt. "Er hat uns gesagt, wir sollen unsere Wohnung binnen fünf Tagen räumen", erzählt der 65-Jährige über seinen Vermieter. "Er sagte: ,Ich habe keine Angst vor Gott, nur vor Saddam. Aber der ist nicht mehr da.‘"
Der Hass auf die Palästinenser brach nach der Einnahme Bagdads plötzlich aus. Talal Salem hatte einen Posten als Buchhalter im Wohnungsbauministerium. Nach dem Fall Bagdads hätten seine Kollegen ihn auf einmal angefeindet, sagt der dreifache Familienvater. "Diese Menschen sind sich nicht im Klaren darüber, dass auch wir unter Saddam gelitten haben", sagt Salem. Er wisse nicht, ob er jemals wieder eine Arbeit finden werde.

Saddam zahlte für die Intifada
Außerhalb Iraks werde angenommen, dass Palästinenser von der Bagdader Führung gut behandelt wurden, weil Saddam Hussein den Palästinenseraufstand unterstützte, sagt Nadschah Abdelrahman von der palästinensischen Botschaft in Bagdad. Saddam Hussein unterstützte Angehörige von Selbstmordattentätern oder Besitzer von Häusern, die durch die israelische Armee zerstört wurden, mit insgesamt umgerechnet mehr als 16 Millionen Euro.
"Das war alles Show", sagt Abdelrahman. Saddam Hussein habe dies nur getan, um sich in der arabischen Welt beliebt zu machen. Zwar lebten viele Palästinenser in staatlich subventionierten Unterkünften. Aber sie durften keinen Grundbesitz erwerben, nicht der Armee beitreten und nicht in Ministerien arbeiten, die wichtig für die staatliche Sicherheit waren.