"Koalitionen platzen häufig nicht aus
rationalen Gründen, sondern weil ihre Spitzen nicht mehr miteinander können."
 Beate Blechinger,
CDU-Fraktionschefin im Landtag


"Die Stimmung ist nicht gut. Die Nerven liegen blank, besonders bei der SPD", räumt CDU-Fraktionschefin Beate Blechinger unumwunden ein. Und das nicht nur deshalb, wie sie betont, weil "auf beiden Seiten Schmerzgrenzen überschritten worden sind". Es sei "besonders beängstigend, dass dies erst der Anfang ist". Wenn schon jetzt die Koalition beinahe geplatzt wäre, sekundiert ein SPD-Landtagsabgeordneter nachdenklich, was soll dann bei den eigentlichen Spar-Operationen im April für den Haushalt im Jahr 2004 werden, wo es um ganz andere Einsparsummen gehen wird.

Verwundungen bei Union sitzen tief
Und die Verwundungen auf Seiten der Union, besonders bei ihrem Parteichef und Innenminister Jörg Schönbohm, sitzen nach den jüngsten Ausein andersetzungen tief. Es müsse ein Nachspiel haben, sagt Blechinger. Denn es sei einiges zusammengekommen. Nicht nur, dass die SPD der Union fehlenden Sparwillen vorwarf. Finanzministerin Dagmar Ziegler (SPD) kanzelte Schönbohm im Streit um das Personalbudget des Innenressorts mit einem "blauen Brief" ab. Besonders verärgert reagieren CDU-Politiker, dass die SPD - ein Novum - ganz unverhohlen mit einer rot-roten Koalition drohte.
Man sehe mit Sorge eine Tendenz, so Blechinger, dass SPD-Politiker versuchen, Schönbohm mit einer Politik der "kleinen Nadelstiche" gezielt zu demontieren.
Aber auch in der SPD wirken die ständigen Attacken von CDU-Politikern - darunter auch Schönbohm selbst - nach, dass die Sozialdemokraten die Alleinschuld am Finanzdesaster tragen würden. Dazu stimme die Chemie zwischen Platzeck und Schönbohm nicht, heißt es in SPD-Kreisen.
Am Montag, vor der Kabinettssitzung, ging es im SPD-Landesvorstand hoch her. Überrascht registrierten Mitglieder, wie offen Platzeck wegen der Spar-Weigerung der Union einen Bruch der Koalition und ein rot-rotes Bündnis einkalkulierte. Und mancher Sozialdemokrat meint (noch hinter vorgehaltener Hand), dass eine schwache PDS als Koalitionspartner einfacher und verlässlicher wäre als eine im Aufwind befindliche Union.

Gefährliche Entfremdung
Zwar hält Blechinger entgegen, dass bei der Bevölkerung keine Seite Punkte machen würde, wenn die Koalition ein Jahr vor der Landtagswahl platzt. "Die Union würde in der Opposition nicht schwächer." Doch sie weiß auch, dass dieses irrationale Element, dass die spürbare Entfremdung zwischen den Koalitionären gefährlich ist. "Koalitionen platzen häufig nicht aus rationalen Gründen, sondern weil ihre Spitzen nicht mehr miteinander können." Um so mehr seien beide Seiten in den kommenden Wochen gefragt, vernünftig miteinander umzugehen.