Brandenburgs Sozialdemokraten müssen umplanen. Hätte man noch vor einigen Tagen Ministerpräsident Dietmar Woidke, Generalsekretärin Klara Geywitz oder den Vorsitzenden der Landtagsfraktion, Mike Bischoff, gefragt, wer die SPD in Brandenburg in den Bundestagswahlkampf 2017 führen soll, wäre die Antwort klar gewesen: Frank-Walter Steinmeier.

Bei den Bundestagswahlen von 2009 und 2014 hatte der Bundesaußenminister in Brandenburg an der Havel ein Direktmandat gewonnen - und seit 2014 ist Steinmeier der einzige in Brandenburg direkt gewählte SPD-Bundestagsabgeordnete, alle anderen Wahlkreise gingen damals an die CDU. Und zugleich ist der Bundesaußenminister auch der einzige Brandenburger Sozialdemokrat, der bundespolitisch eine nennenswerte Rolle spielt - was angesichts der sicheren Bank, die das Land Brandenburg jahrelang für die SPD darstellte, durchaus bemerkenswert ist.

Doch nun soll Frank-Walter Steinmeier Bundespräsident werden. "Es wird ein bisschen Brandenburg ins Schloss Bellevue einziehen", sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende im Potsdamer Landtag, Mike Bischoff, gestern. Die Brandenburger Sozialdemokraten hingegen müssen sich umsehen: Dass die vier Ortsverbände der SPD in Brandenburg an der Havel Steinmeier bereits als Bundestagskandidaten nominiert haben, ist nun obsolet. Die tief zerstrittenen Unterbezirke stehen nun vor der schwierigen Aufgabe, einen gemeinsamen Kandidaten zu finden.

Im Gespräch ist der ehemalige Landtagsabgeordnete Ralf Holzschuher - doch ob er sich am Ende durchsetzen kann, ist derzeit noch völlig offen. Der Landesverband hat jedenfalls erst einmal reagiert.

"Wir führen unsere Landesvertreterversammlung im späten Frühjahr 2017 durch", sagte Generalsekretärin Klara Geywitz gestern. Denn den Sozialdemokraten in der Havelstadt soll Zeit gegeben werden, einen Direktkandidaten zu finden, der dann auf der Landesliste abgesichert werden soll. Wer der Spitzenkandidat der Brandenburger SPD im Bundestagswahlkampf wird, ist dagegen noch unklar - viel spricht nach Informationen aus Parteikreisen aber dafür, dass es die ehemalige Finanz- und Arbeitsministerin Dagmar Ziegler, die bei der letzten Bundestagswahl auf Listenplatz 2 stand, werden könnte.

Mit den zu stopfenden Lücken ist die Brandenburger SPD im Übrigen nicht alleine: Auch der Deutsche Evangelische Kirchentag, der Steinmeier für 2019 bereits als Präsidenten seiner Veranstaltung vorgesehen hatte, wird nun umplanen müssen. Dagegen stehen bereits einige der Brandenburger fest, die im kommenden Jahr an der Bundesversammlung teilnehmen sollen. So nominierte die SPD-Landtagsfraktion neben Ministerpräsident Dietmar Woidke und Landtagspräsidentin Britta Stark auch den ehemaligen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck und die Schlagersängerin Katja Ebstein.

Und die Grünen schicken den langjährigen Neuruppiner Kreistagsabgeordneten Wolfgang Freese in die Bundesversammlung.