"Das Weinverkaufen und Abwaschen haben sich gelohnt", so Birgit und Lutz Buschmann. Dabei strahlten sie mit dem neuen Bronzelöwen um die Wette. Das Ehepaar aus Weißwasser hat jedes Jahr mit dem Rotaryclub das Open-Air-Picknick des Fördervereins Fürst-Pückler-Park unterstützt. "Auf der Schlosswiese gingen Hüte und andere Behältnisse als Löwenkasse rum", erinnerte Helma Orosz (CDU), Oberbürgermeisterin von Dresden und Vorsitzende des Parkfördervereins, während eines Festakts anlässlich der Löwen-Rückkehr. Die Kasse wurde von Jahr zu Jahr besser gefüllt. "Es kamen sogar Gäste extra deswegen", erzählt Orosz. Sie machte bei den Picknicks so manche Ehrenrunde auf der Schlosswiese, um möglichst viel "Löwenfutter", wie sie selbst die Spenden einst getauft hatte, einzusammeln. Doch es gab auch Geburtstagskinder, die auf Geschenke verzichteten und um Spenden für die Löwen baten. Darunter auch der Bad Muskauer Ehrenbürger Werner Manno. Der 96-Jährige findet deshalb das, was Gründonnerstag vor dem Schloss passierte, einfach nur "schön". Sein Sohn Ernst Manno, jetzt in Cottbus zu Hause, trug ebenfalls seinen Spendenanteil zu den Löwen bei. "Ich kann mich noch erinnern, wie sie verrostet vor dem Schloss standen."Vor ausgebrannter RuineDas war Anfang der 50er-Jahre: Die Löwen-Plastiken, durch Kriegseinwirkungen erheblich beschädigt, "bewachten" eine ausgebrannte Schlossruine. Bis sie abgebaut wurden. Der Stadtrat hatte schon 1949 beschlossen, die Löwen zu verkaufen. Sie bestanden aus einer Zinn-/Zink legierung. Bis heute ist unklar, ob die "Tiere" der Produktion zugute kamen oder als geschmolzener Klumpen vergraben wurden.Das Schloss, das seit 1995 wieder aufgebaut wurde, und seit einiger Zeit schon im neuen Glanz erstrahlt, hat durch die beiden Bronzelöwen seine ursprüngliche Ansicht zurückerhalten. Die beiden Rampenlöwen stellten ein wesentliches Gestaltungselement der Schloss treppe dar. Während Fürst Pückler einst nie realisierte Pferdeskulpturen für die repräsentative Schlossauffahrt vorgesehen hatte, ließ sein Nachfolger, Prinz Friedrich der Niederlande, 1857 seine monumentalen Wappentiere, den flämischen und wallonischen Löwen, demonstrativ auf der Rampe aufstellen."Wovon wir nicht zu träumen wagten, ist nun doch Wirklichkeit geworden. Ich bin froh und stolz, dass wir das geschafft haben", so Bad Muskaus Bürgermeister Andreas Bänder (CDU). Damit reihte er sich ein in die vielen Dankesworte, die am Donnerstag gesprochen wurden."Mäuse" fehltenAls es um die Planungen der einzelnen Bauabschnitte des Schlosses ging, war vom "König der Tiere" allerdings keine Rede. Wegen der fehlenden "Mäuse". Da passte es, dass sich um diese Zeit der Förderverein Fürst-Pückler-Park gründete. "Wir suchten bei unserer Gründung 2004 ein Projekt, was wir unterstützen können und wussten, dass die Löwen eine emotionale Geschichte sind. Aber wir waren ein mittelloser Verein. Mit der Zeit schafften wir es, Partner zu überzeugen, die finanzstark genug sind, uns zu unterstützen. Gelungen ist das aber nur, weil das Projekt einen so großen Rückhalt in der Bevölkerung hatte", so Helma Orosz. Tausende Spender, darunter die Ostdeutsche Sparkassenstiftung, die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien und Vattenfall, brachten in fünf Jahren die Summe von 100 900 Euro zusammen. Den "Rest" der rund 180 000 Euro finanzierte der Freistaat Sachsen. Es sei eine Kunst gewesen, die Projektförderung zu stemmen, damit die Kunst der Löwenfertigung beginnen konnte, so Helma Orosz. Schwarz-Weiß-Fotos und Zeichnungen dienten als Grundlage, nach der die Kunstformer André und Manfred Zehrfeld die Löwen modellierten. Der Dresdener Künstler Kristof Grunert fertigte erst die 1:5- Modell-Löwen, bevor sie in Gips auf über zwei Meter Höhe und 3,30 Meter Länge wuchsen. Dieses 1:1-Modell wurde für den Bronzeguss in der Kunstgießerei Lauchhammer wieder in zehn Einzelteile zerlegt. So entstand der erste Löwe, der Mitte August 2009 in Bad Muskau eingeweiht wurde und auch jetzt wieder sein "Bruder". Nach dem Guss wurde der Löwe geschweißt, die Löwenhaut ziseliert und überarbeitet. Der rund zwei Tonnen schwere Löwe machte sich per Lkw auf den Weg von Brandenburg nach Sachsen. Dort wurde er von mehr als 1000 Gästen erwartet. Als er per Ladekran auf die Treppenwange einschwebte, wurde er in seinem Zuhause mit lautstarkem Applaus willkommen geheißen. Die Löwen sind zurück in Bad Muskau - nach mehr als 60 Jahren.