"Wir verändern" steht auf den großen, roten Transparenten in der Messehalle 4 in Frankfurt (Oder). Doch von Veränderung ist in der nüchternen Betonhalle mit ihren rot angestrahlten Vorhängen nicht viel zu spüren. Eher von Verunsicherung.

Die 116 Vertreter der Linkspartei, die aus ganz Brandenburg zur 2. Tagung ihres 3. Landesparteitags in die Oderstadt gekommen waren, ringen mit ihrer Regierungsbeteiligung. "Wir haben in den ersten drei Jahren eine Menge erreicht", sagt der Fraktionsvorsitzende Christian Görke.

Vor den Delegierten zählt er die Erfolge auf: Amtsgerichtsstandorte, Krankenhäuser, soziale Kriterien im Vergaberecht. Andere sehen das anders: Der Lausitzer Bundestagsabgeordnete Wolfgang Neskovic hatte sich in den vergangenen Tagen immer wieder zu Wort gemeldet und die Regierungsbeteiligung der Linkspartei kritisiert. Görke weist diese Vorwürfe scharf zurück. "Die eigenen Befürchtungen über die Ressortverteilung am Anfang der Legislaturperiode jetzt einfach in Tatsachenbehauptungen zu wenden und sich dann dafür die Bilanz zurechtzubasteln, ist kein akzeptabler Weg der Auseinandersetzung."

Zentrales Thema des Parteitags ist ein neues, auf sozialer Gerechtigkeit basierendes Leitbild ihrer Partei. In einem Leitantrag bezeichnen sich die Linken als "Partei der sozialen Frage", treten für eine "europäische Sozialunion" und soziale, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit ein. Doch die eigene Regierungsbeteiligung bestimmt die Aussprache.

"Wir haben drei Jahre lang die Mühen der Ebene erlebt", sagt Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski. "Die Unterschriften gegen die Neugründung der Lausitzer Hochschulen, die Polizisten auf den Straßen zeigen doch eines: Reicht es vielleicht nicht, was wir da tun?", fragt der Barnimer Kreisverbandsvorsitzende Sebastian Walter.

Der Wahlkreismitarbeiter von Wolfgang Neskovic, der Cottbuser René Schuster, kritisiert, dass die Minister der Linkspartei der bevorstehenden Abbaggerung Lausitzer Dörfer zustimmten.

Und die Bundestagsabgeordnete Dagmar Enkelmann spricht sich für eine Unterstützung des Volksbegehrens zum Nachtflugverbot aus - und bezieht damit eine klare Gegenposition zur offiziellen Linie der Landesregierung.

Kämpferisch wirkt der Parteitag trotzdem nicht. Das passt zu dem Aufruf, mit dem der Landesvorsitzende Stefan Ludwig die Delegierten auf den Bundestagswahlkampf einschwört. "Wir wollen so dicht wie möglich an die Wahlergebnisse von 2009 herankommen, 25 Prozent plus X sind erreichbar", so Ludwig.

Natürlich wünsche man sich für alle Direktkandidaten ein Einziehen in den Bundestag. "Aber die Fraktionsstärke der Linken wird über die Zweitstimmen ermittelt werden."

Die Linke plant also einen Zweitstimmenwahlkampf. Einen Wahlkampf, wie er sonst eher von den kleineren Parteien betrieben wird: den klassischen Juniorpartnern einer Regierungskoalition.